Letztlich eine Frage des Charakters
Anlässlich des veritablen Shitstorms, der mich bei Fratzbuch seit einer Woche umtost, habe ich mir wieder einmal die Frage gestellt, warum wir Linken offenbar von so vielen (womöglich sogar der Mehrheit?) als arrogant und abgehoben wahrgenommen werden...?
Zugegebenermaßen haben wir es den wirklich herrschenden "Eliten" (und die sind natürlich immer noch zumindest so rechts, dass sie an ihrer Vorherrschaft nicht rütteln lassen) teilweise allzu leicht gemacht, uns so darzustellen, als würden uns die Nöte und Ängste der "einfachen Leute" und alteingesessenen Mitmenschen weniger interessieren als die (vermeintlichen Luxus-)Probleme von "rich Kids" (LGBTQ+) und Einwanderern – was natürlich nicht stimmt (bzw. höchstens für eine sogenannte – Achtung: Klischee! – "Lifestyle-Linke", die in besseren Gegenden wohnt und ihre Kinder niemals auf sog. "Problemschulen" schicken würde).
Selbstverständlich haben echte, denkende, sich der Komplexität der Verhältnisse bewusste Linke immer schon versucht, neben den klassischen Unterdrückten (der "Arbeiterklasse") auch(!) die Betroffenen anderer Formen der Unterdrückung - Rassismus, Sexismus, Ableismus usw. – zu berücksichtigen und mit ihnen solidarisch zu sein - wobei all diese Phänomene natürlich m.o.w. zusammenhängen und ich (als klassischer Marxianer) meinen würde, der Hauptwiderspruch sei immer ein ökonomischer.
Leider gerieren sich viele frühere Linke mittlerweile allzusehr als Fürsprecher nur noch des abgehängten Teils ihrer Wählerschaft, und das heißt hierzulande (wie z.B. beim BSW): deutsche Staatsangehörige; dabei bräuchten wir doch gerade jetzt (im "Zeitalter der Globalisierung") die internationale Perspektive, denn was hülfe es den Arbeitern, Studenten und Rentnern in Deutschland, wenn ihre Bezüge steigen, solange das Elend im "globalen Süden" weiter zunimmt und es dadurch zu einem "globalen Bürgerkrieg" kommen muss...?
Am Ende geht es doch immer darum, ob wir darauf bestehen, die auf uns gekommenen Privilegien gegen die, welche ungerechterweise dafür zahlen und leiden, um jeden Preis zu verteidigen, oder ob wir bereit sind, die ererbten Errungenschaften gerecht zu verteilen - also ob wir eher egoistisch oder lieber solidarisch sein wollen – kurz: Arsch – oder Kumpel...?
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We were all just hanging around waiting to die and meanwhile doing little things to fill the space.
Charles Bukowski




