[aʊχ das nɔχ]
Offener Leserbrief an Florian Illies:
Die „größten Helden aus der Zeit des Nationalsozialismus“…?
Freitag, 19. Mai 2017, 10:15

In Ihrem aktuellen Leitartikel in der Zeit (Masken des Lebens, Nr. 21 vom 18. Mai 2017, S. 1) schreiben Sie: „Die Fotografie von Helmut Schmidt in Wehrmachtsuniform darf nicht einfach abgehängt werden“ und meinen gar: „In der aufgeregten Diskussion um die Traditionen der Bundeswehr wäre es das Klügste gewesen, das Foto des ehemaligen Wehrmachtsoldaten und späteren Verteidigungsministers nicht abzuhängen, sondern in jeder deutschen Kaserne aufzuhängen“...

Nun kann man Helmut Schmidt ja vielleicht das Eine oder Andere zugute halten (ich ihm z.B. seine unermüdliche Raucherei); die Beteiligung am Überfall auf die Sowjetunion als Offizier einer Panzer-Division gehört aber sicherlich nicht zu seinen Ruhmestaten, und auch wenn dies natürlich nicht totgeschwiegen werden sollte, begreife ich nicht, wie Sie zu dem Schluss kommen, eine solche Abbildung mit Hakenkreuzabzeichen sei geeignet als obligater Schmuck von Bundeswehrkasernen.

Ihr Artikel gipfelt in dem Satz: „Der größten Helden aus der Zeit des Nationalsozialismus, der Widerstandskämpfer vom 20. Juli, gedenken wir in Bildern, die sie in Wehrmachtkleidung zeigen.“
Nun waren diese edlen Herren, unter ihnen radikale Antisemiten und Kriegsverbrecher, mit Hitlers Politik und dem Vernichtungskrieg eine ganze Weile sehr einverstanden gewesen und hatten erst nach der Pleite in Stalingrad kalte Füße bekommen, als sie befürchten mussten, dass es ihnen selber an den Kragen und die Pfründe gehen könnte; und dann waren sie auch noch zu eitel und zu feige, ihrem Führer persönlich eine Kugel zwischen die Augen zu knallen (schließlich wollten sie sich nicht wirklich opfern, sondern lieber nach dem Putsch noch groß Karriere machen), und dann sogar zu blöd, ihn mit ihrem Bömbchen auch wirklich zu erwischen.

Wer solche Typen (und nicht etwa die Widerstandskämpfer in den überfallenen und besetzten Gebieten und auch in Deutschland – z.B. die hingerichteten Mitglieder der „Weißen Rose“) als die „größten Helden aus der Zeit des Nationalsozialismus“ betrachtet, ist wohl selbst von diesem „falsch verstandenen Korpsgeist“ geprägt (haben Sie eigentlich „gedient“?), den die jetzige Kriegsministerin nach etlichen Jahren im Amt plötzlich abmahnt und ausmerzen zu wollen vorgibt – voraussichtlich ohne großen Erfolg, denn Militär und faschistische Gesinnung sind nun einmal kaum zu trennen.

senf dazu


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