[aʊχ das nɔχ]
Das Wort zum Wahlsonntag (24. September):
Big Data Demokratie
Dienstag, 12. September 2017, 10:14

Es mag wie eine Utopie (oder Dystopie) klingen: eine Welt, in der die Menschen von einem riesigen vernetzten Maschinenpark und letztlich von einem „Superhirn“ regiert und umsorgt werden, welches alle Bedürfnisse und erforderlichen Arbeiten digital erfasst, berechnet und organisiert.

Dabei ist die Realität von „Big Data“ fast schon so weit: Produktion und Transport der weltweiten Warenströme sind längst nahezu komplett automatisiert, und das Internet kennt unsere Nöte und Wünsche fast schon besser als wir selber. Nur sind noch nicht wir alle Nutznießer dieser eigentlich höchst komfortablen Entwicklung; noch dienen die mächtigen Algorithmen weniger der Menschheit allgemein, sondern vor allem den Reichen und Mächtigen; noch wird das Potential lediglich dahingehend ausgeschöpft, uns jederzeit personalisierte Werbung bzw. „Produktinformationen“ zuzuleiten und uns so zu kurzfristiger Befriedigung durch (oft nachhaltig schädlichen) Konsum zu verführen.

Die Verfügungsgewalt über diese mächtigen Datenmengen, welche die Welt (und unter anderem uns selber) beschreiben, müssen wir also erst gewinnen – bzw. sie von jenen erstreiten, die sie heute als Monopol besitzen. Unsere Teilhabe an Politik sollte sich nicht in (interessengeleitete und entsprechend designte und finanzierte) Meinungsumfragen sowie einer „Wahl“ alle Jubeljahre erschöpfen, sondern permanent, zu allen uns betreffenden Sachfragen gewährleistet sein; und unser Anteil am globalen Gesamtvermögen sollte gerecht ermittelt (und nicht wie heute noch durch ererbte ungerechte Strukturen extrem verzerrt) sein.

Dann wäre ein Dasein ohne Armut und Hunger, bei nachhaltiger Bewirtschaftung der Ressourcen und gesunder Ernährung sowie erfüllender Zeitgestaltung ohne die Notwendigkeit entfremdeter, eintöniger oder verschleißender Arbeit, für alle (zehn Milliarden Menschen sowie Flora und Fauna ringsum) möglich. Wahrscheinlich würde es sogar nicht nur der überwiegenden Mehrheit, sondern sogar den wenigen, die von ihren unermesslichen Reichtümern etwas abgeben müssten, besser gehen als heute – denn was ist ein Haufen Geld, Besitz und Macht wirklich wert gegenüber dem schönen Gefühl, gleichberechtigt unter Gelichberechtigten leben und Fremden ohne Angst in die Augen schauen zu können…?

Nun haben wir aber erst einmal wieder so eine vordemokratische Bundestagwahl – und es dadurch ein wenig in der Hand, ob es in Richtung Orwell und Matrix (ohnmächtige, überwachte Masse) oder doch Utopia (selbstbestimmte Menschheit) gehen soll. Wer letzteres will, sollte keine konservative Partei (kein „wirtschaftsfreundliches“, ergo inhumanes „Weiter so“) wählen (und schon gar keine reaktionäre „Alternative“, die so tut, als könne sie die Welt von gestern wiederherstellen), sondern eine progressive Bewegung (ich persönlich habe mich für die Linken entschieden).

Dann erleben wir es vielleicht noch, dass Krieg, Vertreibung, Armut und Elend als Folge unserer kurzsichtigen Art des Wirtschaftens („Wachstum“ um jeden Preis) überwunden werden und wir uns mehr dem Erhalt einer belebbaren Umwelt widmen können.

Aber wozu tipp ich mir denn hier die Finger wund?! Die olle Leier will doch keiner mehr hören oder lesen! Die Leute wollen das tun, was die Smartphones nahelegen, also shoppen shoppen shoppen bis der Arzt kommt.
Oder die Apokalypse!

senf dazu


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Zur Petition Für eine Weiterentwicklung der Demokratie
Das Prinzip Permanentes Plebiszit

Wozu ist der Mensch auf der Welt? Zum Sterben.
Und was heißt das? Rumhängen und warten.

Charles Bukowski



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