Ente am Ende
So war der Ostermarsch 2026 in Düsseldorf
Montag, 6. April 2026, 11:49

"Für Abrüstung und ein friedensbereites Land" trafen wir uns ab 14 Uhr vor dem DGB-Haus auf der Friedrich-Ebert-Straße, um dann ab 15 Uhr durch die Innenstadt zu demonstrieren; zur Abschlusskundgebung vor dem Rathaus sprachen u.a.: Elias (SDAJ Rheinland-Westfalen), Tim Engels (Düsseldorf, Rechtsanwalt), Amid Rabieh (Vorsitzender BSW NRW), Wa’el Jaber (Palästinensische Allianz), Michael Müller (Vorsitzender der Naturfreunde) und Günter Pohl (Freundschaftsgesellschaft Kuba); Veranstalter war das Düsseldorfer Friedensforum.

Es war wie zu erwarten (trotz enttäuschend geringer Teilnehmerzahl) ein breites Spektrum vertreten; anhand ihrer Fahnen konnte man erkennen: DKP, SDAJ, BSW, MLPD, KKE (KP Griechenlands), DEV-YOL (türkische Marxisten), PACE (Regenbogenfahne), DFG-VK, VVN; außerdem gab es neben einigen Friedenstauben viele Palästina-Flaggen, auch die Staatsflaggen von Kuba, Libanon(?), Syrien(??), Iran(?!?), dabei auch eine, die auf dem grün-weiß-roten Hintergrund nur den Schriftzug "IRAN", umrahmt mit zwei Herzen zeigte, sowie natürlich diverse Transparente; auch eine Fahne in den Farben der BRD-Trikolore, allerdings mit der Aufschrift “ATOMWAFFEN ABSCHAFFEN ehe es zu spät ist” war vertreten, und natürlich ein paar engagierte "Omas gegen Rechts".
(Bei der Abschlusskundgebung hatten dann (neben Freidenkern, DKP, MLPD, BSW) auch die FKO (Föderation klassenkämpferischer Organisationen) und der Zambon-Verlag einen Stand.)
In gewisser Hinsicht bezeichnend war es, wer alles NICHT zu sehen war: Linke, Grüne, SPD, Gewerkschaften (nur ein alter griechischer Aktivist namens Antonis, der noch mit Mikis Theodorakis zusammen aufgetreten war, trug ein GEW-Käppi)…

Nicht so schön (neben der schon erwähnten Iran-Mullah-Flagge): Irgendwelche Verwirrten verteilten BüSo-Flugblätter, und mehrere rechte Influencer ("Weichreite" alias Sebastian Weber, ein AfD-Abgeordneter aus Sachsen, sowie "Utopia TV Deutschland", ein ebenfalls AfD-nahes Duo) liefen auf der Demo herum und machten Interviews im Life-Stream, u.a. mit einigen mir bekannten undogmatischen Linken (z.B. oben erwähnter Antonis), die eventuell nicht wussten, mit wem sie sich da einließen; ihren über dreeinhalbstündigen Mitschnitt auf YouTube, den ich zugegebenermaßen gestern teilweise angeschaut habe und auf dem ich auch ein paarmal kurz durchs Bild laufe, verlinke ich hier jetzt ganz bewusst nicht, aber zumindest haben sie ihre Interviewpartner ausreden lassen und ihre rechten Kommentare ("Wieso demonstriert hier keiner für Deutschland?" usw.) "nur" zwischendurch abgelassen.

Schräg gegenüber (und dann an verschiedenen Stellen des Zuges sowie bei der Abschlusskundgebung) hatte sich zur inzwischen wohl unvermeidlichen Gegendemo einige Antideutsche (“Kö-Antifa”, die sich ehrlicherweise in "Kö-Antiko(mmunisten" umbenennen müsste) postiert, demonstrierte FÜR den Krieg Israels gegen Gaza und Iran und pöbelte die Friedensbewegten gewohnt laustark an; dabei zeigte sie Israelische Staatsflaggen (auch abgewandelt in weiß-rosa), IDF-Banner (Israel Defense Forces), Schah-Flaggen und diverse Transparente.

Und am Hauptbahnhof selber hatte sich (wie seit Anfang März jeden Samstag) eine Pro-Schah-Demo versammelt, die dann zum Burgplatz zog und die sich teilweise mit den Antideutschen zusammentat - hier dominierten natürlich auch Schah-Flaggen, Israel-, USA- und Doitschland(!)-Fahnen das Bild.

Als ich im Verlauf des Zuges die Gegendemonstranten, bei denen auf einem Transparent zu lesen stand "Man demonstriert nicht gemeisam mit Nazis. Niemals!", fragen wollte, ob sie es nicht widersprüchlich finden, die Nazionalfahnen Israels mit seiner gegenwärtigen faschistischen Netanjahu-Regierung zu schwenken, wurde ich angebrüllt und weggeschickt; sachliche Auseinandersetzung ist dort offenbar nicht gewünscht. Immerhin: Eine sehr ungehaltene Dame machte mich auf die (von mir bis dahin gar nicht wahrgenommene) Iran-Mullah-Fahne aufmerksam, die ja wohl "viel schlimmer" sei. (Tatsächlich finde auch ich das Zeigen von Nazionalflaggen auf solchen Demos unangemessen bis Scheiße; bei Palästina-Fahnen sehe ich das allerdings etwas differenzierter, da sie keinem faktischen Staatsgebiet und keiner tatsächlichen Regierung entsprechen).

Überhaupt hatte das Palästina-Thema auch bei der Ausstaffierung des Demo-Wagens (zeigte u.a. Jassir Arafat) und auch später bei den Sprechchören, wie ich finde, einen unangemessen großen Raum eingenommen und drohte das allgemeine Thema "Frieden" fast etwas zu überlagern. Gut war allerdings die kleine dreiköpfige Band, die u.a. das Einheitsfrontlied und die Moorsoldaten zum Besten gab.

Die Abschlusskundgebung, bei der sich viele Mitlaufende schon gar nicht mehr eingefunden hatten, war dann ein bisschen überschattet von dem lärmigen und etwas eskalierenden Wortgefecht, dass sich die Palästinenser:innen und deren Sympathisant:innen mit den israelverherrlichenden Antideutschen und einigen zu ihnen stoßenden Schah-Monarchist:innen lieferten, und wurde dann leider schon sehr (zu) zeitig beendet, womit sie Letzteren leider das Feld überließen.

Fazit: Die Linken müssen wieder mehr gemeinsam auftreten, um aus der Defensive zu kommen - und eventuell stimmt sogar der (oft und wahrscheinlich fälschlicherweise Ignazio Silone zugeschriebene und auch auf der Demo häufiger zitierte) Spruch «Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: ‹Ich bin der Faschismus›. Nein, er wird sagen: ‹Ich bin der Antifaschismus›.» ja doch (ein bisschen)...?

senf dazu


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