Endstation
Ich habe mir mal den Spaß(?) bzw. das Experiment erlaubt, ChatGPT eine Kurzgeschichte schreiben zu lassen, deren Grundzüge (s.u.) mir bereits seit längerem (genauer gesagt aus meiner Zeit als DaF-Dozent in Polen 1992/1993, als ich sehr viel mit der Bahn unterwegs war) im Kopf herumgeisterte (und die ich vor vielen Jahren (anno 2009) hier in diesem Blog schon einmal relativ ausführlich skizziert hatte); das Ergebnis finde ich so halbwegs gelungen und immerhin gut genug, um es hier zur Disposition zu stellen. (Die vielen Leerzeilen bzw. Ein-Satz-Absätze sind übrigens offenbar ein ganz eigenes Stilmittel von ChatGTP.) Also:
Prompt:
Schreibe eine unheimliche Kurzgeschichte mit folgendem Ausgangsszenario: Ein Mann steigt in einen Zug, schläft ein, wacht in der Nacht auf und stellt fest, dass er der einzige Passagier im Abteil, im Waggon und sogar im ganzen Zug ist.
Antwort:
Als Jonas in den Regionalzug stieg, war es kurz nach acht Uhr abends. Die Sitzplätze waren gut gefüllt, Menschen unterhielten sich gedämpft, Kinder spielten auf Tablets, und irgendwo klingelte ständig ein Handy. Er setzte sich ans Fenster, legte den Kopf gegen die Scheibe und schloss für einen Moment die Augen.
Der Moment wurde zu Stunden.
Als er erwachte, war der Zug dunkel.
Nicht völlig dunkel. Die Notbeleuchtung warf ein schwaches, gelbliches Licht über die Sitze. Draußen herrschte pechschwarze Nacht.
Jonas blinzelte und sah sich um.
Alle Plätze waren leer.
Er richtete sich auf. Sein Nacken schmerzte. Die Taschen und Jacken der anderen Fahrgäste waren verschwunden. Kein Flüstern. Kein Rascheln. Kein Summen von Kopfhörern.
Nur das monotone Rattern der Räder.
„Hallo?“
Seine Stimme klang seltsam gedämpft.
Keine Antwort.
Er ging durch das Abteil. Leer.
Durch die Schiebetür in den nächsten Wagen. Leer.
Der nächste. Ebenfalls leer.
Sein Unbehagen wuchs mit jedem Schritt. Der Zug schien endlos zu sein. Wagen um Wagen, alle verlassen. In einem Speisewagen standen noch Teller auf den Tischen, aber kein einziges Essen darauf. Als wären die Gäste mitten in der Mahlzeit verschwunden.
Schließlich erreichte er die Lokomotive.
Die Tür zum Führerstand stand offen.
Drinnen war niemand.
Der Fahrersitz war leer.
Trotzdem raste der Zug weiter durch die Nacht.
Jonas spürte, wie sich kalter Schweiß auf seiner Stirn bildete.
Er griff nach dem Funkgerät. Tot.
Kein Strom.
Und doch fuhr der Zug.
Er blickte durch die Frontscheibe hinaus. Die Schienen glänzten schwach im Mondlicht und verschwanden in der Dunkelheit.
Dann bemerkte er etwas Seltsames.
Seit einigen Minuten hatte der Zug keine Weiche, keine Brücke, keine Station passiert.
Nur dieselben Schienen.
Immer dieselben.
Er starrte hinaus.
Ein verlassener Bahnsteig zog vorbei.
Auf dem Stationsschild stand:
Waldeck.
Wenige Minuten später erschien erneut ein Bahnsteig.
Wieder:
Waldeck.
Und dann noch einmal.
Waldeck.
Immer dieselbe Station.
Immer derselbe Bahnsteig.
Jonas begann zu zittern.
Der Zug fuhr nicht irgendwohin.
Er fuhr im Kreis.
Da knackte plötzlich der Lautsprecher über ihm.
Ein Rauschen.
Dann eine Stimme.
„Nächster Halt: Waldeck.“
Die Stimme klang alt, als käme sie von einem Tonband, das Jahrzehnte in einem Keller gelegen hatte.
„Ausstieg nur für berechtigte Fahrgäste.“
„Was soll das heißen?“, flüsterte Jonas.
Keine Antwort.
Der Zug verlangsamte sich.
Zum ersten Mal seit seinem Erwachen.
Bremsen quietschten.
Draußen erschien erneut der Bahnsteig.
Waldeck.
Diesmal stand dort jemand.
Eine einzelne Gestalt.
Groß. Dürr.
Unbeweglich.
Das Gesicht lag im Schatten.
Die Türen öffneten sich zischend.
Die Gestalt stieg nicht ein.
Sie wartete.
Der Lautsprecher knackte erneut.
„Herr Jonas Becker.“
Sein Herz blieb beinahe stehen.
Er hatte seinen Namen niemandem genannt.
„Bitte aussteigen.“
Die Gestalt hob langsam den Kopf.
Jonas konnte ihr Gesicht nun erkennen.
Es war sein eigenes.
Nicht ähnlich.
Nicht verwechselt.
Es war exakt sein Gesicht.
Nur blasser.
Älter.
Und mit leeren Augenhöhlen.
Jonas stolperte rückwärts.
Die Türen schlossen sich.
Der Zug setzte sich wieder in Bewegung.
Er rannte durch die Wagen. Panisch. Atemlos.
Hinter ihm knackte jeder Lautsprecher gleichzeitig.
In jedem Wagen.
Immer dieselbe Stimme.
„Herr Jonas Becker.“
„Sie haben Ihren Halt verpasst.“
„Herr Jonas Becker.“
„Sie haben Ihren Halt verpasst.“
„Herr Jonas Becker.“
„Sie haben Ihren Halt verpasst.“
Er hielt sich die Ohren zu.
Der Zug beschleunigte.
Schneller.
Schneller.
Die Fenster wurden schwarz wie Tinte.
Nicht Nacht.
Etwas anderes.
Als hätte draußen die Welt aufgehört zu existieren.
Dann fiel sein Blick auf eine Zeitung, die auf einem Sitz lag.
Er hätte schwören können, dass sie vorher nicht dort gewesen war.
Mit zitternden Händen hob er sie auf.
Das Datum war von vor drei Tagen.
Auf der Titelseite stand eine Meldung:
„Schweres Zugunglück bei Waldeck. Alle Insassen des Nachtzuges verstorben.“
Darunter ein Foto.
Verbogene Waggons.
Rettungskräfte.
Und sein eigenes Gesicht.
Jonas starrte die Zeitung an.
Langsam hob er den Blick zum Fenster.
Im Glas spiegelte sich das Abteil.
Die Sitze.
Die Zeitung.
Und sonst nichts.
Von ihm selbst war kein Spiegelbild zu sehen.
Da erklang die Lautsprecherstimme ein letztes Mal, direkt hinter seinem Ohr.
Obwohl niemand dort stand.
„Endstation.“
Und direkt die nächste, ebenso damals zwischen Leszno und Düsseldorf in Grundzügen entstandenen Geschichte, wiederum von ChatGPT mit den schon bekannten vielen Leerzeilen ausgeführt:
Prompt:
Schreibe eine unheimliche Geschichte mit folgendem Ausgangsszenario: Ein Mann steigt in einen Zug. Er will nach Jahrzehnten seine Heimatstadt Strauchen wieder besuchen. Er schwelgt in Erinnerungen und fährt anscheinend unbemerkt an seinem Ziel vorbei. Im weiteren Verlauf seiner Reise stellt er art fest, dass keiner den Ort Strauchen zu kennen scheint.
Antwort:
Als der Zug den Bahnhof verließ, lehnte sich Martin zurück und betrachtete die vorbeiziehende Landschaft. Es war Ende Oktober. Nebelschwaden lagen über den Feldern, und die kahlen Bäume zeichneten schwarze Linien gegen den grauen Himmel.
Er war sechzig Jahre alt und seit fast vierzig Jahren nicht mehr in Strauchen gewesen.
Der Name allein erfüllte ihn mit einer seltsamen Wärme. Strauchen. Ein kleines Städtchen zwischen Wäldern und Hügeln. Dort hatte er seine Kindheit verbracht. Dort hatte er Fahrradfahren gelernt, seine erste Liebe geküsst und seinen Vater begraben.
Nach dessen Tod war er fortgezogen. Erst zum Studium, dann wegen der Arbeit. Aus den Jahren wurden Jahrzehnte.
Vor wenigen Wochen hatte er eine alte Fotografie gefunden: den Marktplatz von Strauchen im Sommer 1978. Das Bild hatte etwas in ihm geweckt. Eine Sehnsucht, die er nicht länger ignorieren konnte.
Also hatte er ein Zugticket gekauft.
Strauchen.
Endstation einer Nebenstrecke.
Zumindest erinnerte er sich so.
Während der Fahrt versank Martin in Erinnerungen. Er dachte an den Glockenturm der Kirche, an die alte Bäckerei mit den Mohnbrötchen und an den kleinen Fluss, der sich durch die Stadt schlängelte.
Irgendwann muss er eingenickt sein.
Als er aufwachte, war es bereits dunkel.
Verwirrt blickte er auf die Anzeigetafel.
Der Zug befand sich zwei Stationen hinter seinem Ziel.
„Verdammt“, murmelte er.
Beim nächsten Halt stieg er aus.
Der Bahnhof war klein und beinahe leer. Im Wartesaal saß ein älterer Schaffner und las Zeitung.
Martin trat an ihn heran.
„Entschuldigen Sie. Ich habe meine Station verpasst. Können Sie mir sagen, wann der nächste Zug nach Strauchen fährt?“
Der Schaffner sah auf.
„Nach wohin?“
„Strauchen.“
Der Mann runzelte die Stirn.
„Davon habe ich noch nie gehört.“
Martin lachte.
„Natürlich. Die Nebenstrecke Richtung Norden.“
„Ich arbeite seit siebenunddreißig Jahren bei der Bahn“, sagte der Schaffner. „Hier gibt es keine Station namens Strauchen.“
Das Lächeln verschwand aus Martins Gesicht.
„Doch. Natürlich gibt es die.“
„Nein.“
Der Schaffner wirkte ehrlich verwundert.
Martin zog sein Ticket hervor.
Der Zielbahnhof war deutlich aufgedruckt.
Doch als der Schaffner es betrachtete, wurde er blass.
„Wo haben Sie das gekauft?“
„Online.“
„Das ist kein gültiges Bahnticket.“
„Was?“
„Das Format ist uralt. So sehen Fahrkarten seit Jahrzehnten nicht mehr aus.“
Martin nahm das Ticket zurück.
Tatsächlich wirkte das Papier plötzlich seltsam vergilbt.
Fast antik.
„Das ergibt keinen Sinn.“
Der Schaffner zuckte mit den Schultern.
„Vielleicht meinen Sie Strauberg? Oder Strahlen?“
„Nein. Strauchen.“
Der Mann schüttelte den Kopf.
„Nie gehört.“
Im Hotel konnte Martin kaum schlafen.
Am nächsten Morgen begann er zu recherchieren.
Er suchte im Internet.
Keine Ergebnisse.
Kein Ort namens Strauchen.
Keine Karten.
Keine Bilder.
Nichts.
Selbst historische Verzeichnisse erwähnten den Namen nicht.
Mit jeder Stunde wuchs seine Verunsicherung.
Am Nachmittag besuchte er das örtliche Archiv.
Eine freundliche Archivarin half ihm bei der Suche.
„Wie hieß der Ort?“
„Strauchen.“
Sie tippte den Namen in ihre Datenbank.
Nichts.
Sie suchte in alten Landkarten.
Nichts.
Dann zog Martin die Fotografie aus seiner Jackentasche.
„Vielleicht erkennen Sie das.“
Die Frau betrachtete das Bild.
Ihre Stirn legte sich in Falten.
„Woher haben Sie das?“
„Das ist Strauchen. Sommer 1978.“
„Nein.“
Sie zeigte auf die Rückseite.
Martin drehte das Foto um.
Dort stand in verblassender Schrift:
Marktplatz Strauchen, Juni 1978
Die Archivarin schüttelte den Kopf.
„Das Foto wurde nie entwickelt.“
Martin starrte sie an.
„Bitte?“
„Sehen Sie doch.“
Er blickte erneut auf das Bild.
Zum ersten Mal bemerkte er die merkwürdigen Details.
Die Menschen auf dem Foto waren unscharf.
Nicht verschwommen.
Eher... unfertig.
Wie Schatten.
Die Fenster der Häuser waren schwarz.
Tiefschwarz.
Als befände sich dahinter nichts.
„Das Papier ist unbelichtet“, sagte die Archivarin leise.
„Eigentlich dürfte darauf gar kein Bild sein.“
Am Abend verließ Martin das Archiv.
Es regnete.
Auf dem Weg zurück zum Hotel kam er an einem Antiquariat vorbei.
Im Schaufenster lagen alte Landkarten.
Etwas zog seine Aufmerksamkeit an.
Eine Karte aus den siebziger Jahren.
Er trat näher.
Dort.
Zwischen zwei Flüssen.
Ein kleiner Punkt.
Strauchen.
Sein Herz schlug schneller.
Er stürmte ins Geschäft.
Der Besitzer, ein hagerer Mann mit silbernem Haar, betrachtete die Karte lange.
Dann sah er Martin an.
„Woher kennen Sie diesen Namen?“
„Ich bin dort aufgewachsen.“
Der Alte schwieg.
„Unmöglich.“
„Warum?“
„Weil Strauchen nicht mehr existiert.“
„Was meinen Sie?“
Der Mann führte ihn in einen Hinterraum.
Dort holte er eine vergilbte Zeitung hervor.
Auf der Titelseite stand ein Datum:
12. November 1981
Darunter die Schlagzeile:
GESAMTE GEMEINDE SPURLOS VERSCHWUNDEN
Martin lachte nervös.
„Was für ein Scherz soll das sein?“
Der Antiquar schob ihm den Artikel hin.
Darin wurde berichtet, dass Bewohner benachbarter Orte eines Morgens festgestellt hatten, dass Strauchen verschwunden war.
Nicht zerstört.
Nicht verlassen.
Verschwunden.
Straßen führten plötzlich durch leere Wälder.
Gebäude existierten nicht mehr.
Selbst Karten und Akten verloren nach und nach jeden Hinweis auf die Stadt.
Als hätte sie niemals existiert.
Die Behörden erklärten alles schließlich zu einem Archivierungsfehler.
„Unsinn“, flüsterte Martin.
„Ich habe dort gelebt.“
Der Antiquar nickte langsam.
„Ja.“
„Dann erinnern Sie sich?“
„Nicht an die Stadt.“
Er blickte Martin seltsam an.
„An die Menschen.“
„Welche Menschen?“
„Diejenigen, die behaupteten, von dort zu stammen.“
Martin spürte eine Kälte im Magen.
„Und?“
Der Alte antwortete nicht sofort.
Schließlich sagte er:
„Sie sind alle verschwunden.“
In dieser Nacht fand Martin keinen Schlaf.
Gegen drei Uhr morgens hörte er ein Geräusch vor seinem Fenster.
Ein Klopfen.
Leise.
Rhythmisch.
Er trat an die Scheibe.
Unten auf der Straße stand eine Gruppe von Menschen.
Sie blickten zu ihm hinauf.
Männer.
Frauen.
Kinder.
Dutzende.
Alle regungslos.
Im Licht der Straßenlaterne erkannte Martin ihre Gesichter.
Er kannte sie.
Den Bäcker.
Seinen Lehrer.
Seine erste Freundin.
Seinen Vater.
Menschen aus Strauchen.
Menschen, die längst tot sein mussten.
Langsam hoben sie gleichzeitig die Köpfe.
Und lächelten.
Dann hörte Martin eine Stimme.
Direkt hinter sich.
Sanft.
Vertraut.
Die Stimme seiner Mutter.
„Martin.“
Er drehte sich um.
Das Zimmer war leer.
Doch auf dem Nachttisch lag etwas.
Ein Zugticket.
Frisch gedruckt.
Zielbahnhof:
STRAUCHEN
Abfahrt:
03:17 Uhr
Heute.
Und darunter stand in kleiner Schrift:
Wir haben auf dich gewartet.
➥ Zur Petition Weiterentwicklung: Demokratie
➥ Das Prinzip Permanentes Plebiszit
We were all just hanging around waiting to die and meanwhile doing little things to fill the space.
Charles Bukowski




