[aʊχ das nɔχ]
"Hart aber fair"? Butterweich und Keks!
Donnerstag, 2. September 2010, 09:29

Die (ewig)gestrige Promotionsveranstaltung von Thilo "Sozi" Narrazin, diesmal bei Frank Plasberg, war wie zu erwarten eine deprimierende Veranstaltung - vor allem, weil dem Protagonisten zum x-ten Male "breite Zustimmung in/aus der Bevölkerung" attestiert wurde.
Lustig allenfalls*, wie am Ende die in seiner Kampfschrift geäußerte Befürchtung, in 100 Jahren könne wahrscheinlich niemand mehr "Wanderers Nachtlied" aufsagen (in Wirklichkeit war nach dem Gedicht "Ein Gleiches" vom ollen Goethe gefragt worden), als schon jetzt überholt entlarvt wurde: keiner der befragten Oberschüler und auch Lehrer eines Goethe-Gymnasiums kannte das Gedicht, geschweige denn den Text - und als "Zyklon T" diesen dann pflichtschuldigst herunterzuleiern versuchte, hatte auch er prompt eine der nur sechs Zeilen ("Die Vöglein schweigen im Walde") vergessen - hach ja, herrlich.

(Hier ab 1:12:58 bzw. 1:15:15 zum Mitlachen)


Was aber in der ganzen Debatte, die sich ja doch immer nur im Kreise dreht - man habe das Buch ja gar nicht (ganz) gelesen, sei ein unverbesserlicher Multikulti-Gutmensch, verschließe die Augen vor realen Problemen usw. - m.E. noch gar nicht zur Sprache gekommen ist: dass die (auch immer von Kritikern "eingestandenen") Probleme von Ghettoisierung und Parallelgesellschaften vielfach nicht (nur) mit der Religion und Kultur des Islam, sondern (vor allem auch) mit der extrem chauvinistischen, frauenverachtenden und gewaltverherrlichenden Gangsta-Rap-Kultur US-amerikanischer Provinienz zusammenhängen.
Denn seien wir doch mal ehrlich: Angst machen Ottilie Normalverbraucherin und Kläuschen Müller weniger die zurückhaltenden kopftuchtragende Passantinnen, sondern rudelweise auftretende Schlägertypen, die sich (mit wieviel Recht auch immer) als "deutsche Nigger" fühlen und gebärden.
Ach, und wo wir schon mal dabei sind: wie stand es denn um den Integrationswillen der Deutschen als Auswanderer, z.B. in Rumänien ("Siebenbürger Sachsen") oder in Russland ("Wolgadeutsche") oder in den USA ("Amische" u.a.)? Die haben sich doch immer zugute gehalten, ihr "Deutschtum" und ihre Sprache bewahrt zu haben - und werden dafür heute noch von den selben Leuten hochgelobt (und z.T. als "Vertriebene" betrauert), die jetzt jammern und Zeter und Mordio schreien, wenn irgendwo in Duisburg-Marxloh oder in Köln in einem Straßenzug fünf türkische Geschäfte nebeneinander stehen.
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* Nachtrag um 16:00 Uhr: Auch noch lustig ist, dass er wohl Michel Friedman als "Arschloch" bezeichnet hat, weshalb das internationale Finanzjudentum die Bundesbank ihn jetzt wohl doch zu feuern gedenkt... und dass ausgerechnet der Kolumnist jener Zeitung, die ihm lang und breit ein Forum zur Verbreitung seiner volksverhetzerischen Parolen bot, also der BILD-Mann Franz Josef Wagner, ihm jetzt schreibt: "... was Sie in dem Interview über Juden sagen, ist scheiße, beschämend, widerlich."

senf dazu



moslaemm, 2010.09.02, 17:15
Alta, hat de Triefauge Thilo wirklisch gesagt Arschnlooch su de Friedmann?

Habsch heute nickes daruber gelesen auf de Homepage von de große Thilo Sarrazin, isch schwör. Sagt de Triefauge dort nur, will werden erste doische Märtyrer ohne Sprengstoffgurtel aber mit Millionen Oiro Abfindunk.

Salaam(i)
De Moslämm

Hat geklappt - anscheinend ist der mutige Märtyrer des Meinungsfreiheitskampfes ja jetzt erstmal arbeitslos, und eventuell winkt sogar Hartz IV...
Und das, obwohl er den allgemein verhassten Vorzeige-Itzig doch noch relativ rassenunspezifisch tituliert hat. Da müssen und werden demnächst deutlich schärfere Worte fallen.

senf dazu
 

uwe sak, 2010.09.02, 19:09
Ich weiß schon, warum ich mir solche Sendungen nicht reinziehe. Da muß man sich berieseln lassen und kann nichts gerade rücken.
Aber wenn sich Thilo und Franz Jupp Wagner jetzt gegenseitig anmachen, dass ist doch einfach herrlich.
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scipio nescio, 2010.09.02, 19:39
Es wird euch nicht gefallen, aber ich oute mich hiermit als Sarrazin-Fan. Es fiel mir wie Schuppen von den Fischen, als ich die Wandlung vom Paulus zum Saulus durchmachte: Der Mann muss einfach Recht haben, und das kann ich auch belegen.

Wie man sich zum Sarrazinen macht

1.) Fahren Sie an einem Sonntagmorgen in den Westerwald.
2.) Suchen Sie eine Kapelle oder Kirche.
3.) Betreten Sie besagtes Gebäude (Je kleiner das Dorf, desto größer die Wirkung)

Fertig.

Sobald die Christen hierzulande mit Sprengstoffgürteln herumlaufen, sind sie exakt genauso schlimm wie die Muselmanen bei unserem rassigen Thilo, obwohl ich prinzipiell wenig gegen das Christentum in seiner heutigen Form habe, sieht man mal von einigen hinreichend bekannten Vorgängen ab.

Für mich ist eher die Frage, wann endlich der Zeitpunkt kommen wird, dass WIR Christen uns endlich distanzieren von der Gewalt, die in unserem Namen im Irak und in Afghanistan zum Ausbruch gebracht wird...
senf dazu
 

mondoprinte, 2010.09.03, 20:42
Prima Posting! Auch wenn ich durchaus der Meinung bin, dass hierzulande über Integration - von wem auch immer in was auch immer - notwendig ist - der Rahmen, der von Sarrazin bzw. Spiegel, Stern, FAZ und Bild, sowie Glotze vorgegeben ist, ist der ungeeigneteste, den man sich denken kann.
Und dann auch noch dieses ewige Entweder/Oder - Gutmensch aus der politisch-korrekten Gesinnungsmafia oder Politisch Unkorrekter, der für den eigenen Rassismus auch noch respektiert zu werden wünscht - das sind Kategorien, die sowas von inhuman sind...
senf dazu
 
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