Ente am Ende
ἄνθρωπον ζητῶ
Samstag, 7. Januar 2012, 15:08

Wenn er sich hier so gemütlich in seiner Tonne ein Licht aufgehen lässt, scheint es fast ein wenig abwegig, dass Diogenes aus Sinope, der alte Kyniker, als veritabler "Aktionsphilosoph" angesehen wird; und doch: seine ethisch-philosophischen Grundsätze (Kosmopolitismus, Autarkie, Bedürfnislosigkeit und Freie Rede) vertrat er der Legende nach vor allem durch persönliches Beispiel, wie in zahlreichen Anekdoten beschrieben.
So soll er sich auf dessen Nachfrage vom großen Alexander gewünscht haben, dieser möge ihm ein wenig aus der Sonne gehen (was der dann auch voller Ehrfurcht getan haben soll); ebenso war er berüchtigt dafür, dass er nicht nur in Athen auf der Straße lebte, sondern auch in aller Öffentlichkeit pisste, schiss und onanierte (Sloterdijk) - auf Letzteres angesprochen, sagte er (...): „Wie schön wäre es doch, wenn man auch durch das Reiben des Bauches das Hungergefühl vertreiben könnte!“ (Εἴθε καὶ τὴν κοιλίαν ἦν παρατρίψαντα μὴ πεινῆν.)
Und machmal veräppelte er seine Mitmenschen auch einfach, etwa als er einmal auf einem Marktplatz rief (...): „Kommt herbei, Menschen!“ Die Leute aber, die auf seinen Ausruf hin kamen, verscheuchte er mit den Worten: „Menschen habe ich zu mir gerufen, nicht Abschaum!“ (Ἄνθρώπους ἐκάλεσα, οὐ καθάρματα.)
Den Schimpfnamen Kyon ("Hund"), den ihm Manche gaben, machte er sich stolz als Titel und Konzept zu eigen.
Kurzum: der Mann war ein Punkrocker* seiner Zeit und nebenbei ein echter Weltmeister, dessen Vorbild ich hiermit wärmstens zur Nachahmung weiterempfehlen möchte.
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* Oder Rapper?
Diogenes "Kyon" from Sinópē
Dioge "Dog" from Snoopie
Snoop Doggy Dogg

senf dazu


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