Ente am Ende
Aus leider immer wieder gegebenem Anlass:
Die Mär von den „faulen Scheinasylanten“
Donnerstag, 27. August 2015, 18:17

Viele Leute in Deutschland scheinen tatsächlich zu glauben, sie hätten es irgendwie "verdient", in einem der reichsten Länder der Welt zu leben, im Gegensatz zur irgendwelchen Zugereisten, denen oft pauschal Faulheit und Schmarotzertum unterstellt wird.

Es mag ja sein, dass den Deutschen oder generell den Germanen* ein irgendwie (genetisch oder eher kulturell) ererbter Hang zu Fleiß und Disziplin (und/oder Skrupellosigkeit) eigen ist, was erklären könnte, dass gerade die "germanischen" Länder zu den reichsten dieser Erde gehören.**

Aber ich glaube nicht, dass sich diese auf ihre Erfolge so stolzen Deutschen vorstellen können, was es bedeutet, in einem Land geboren und aufgewachsen zu sein, in dem es für die meisten weder fließend Wasser noch Strom und schon gar keine "Sozialleistungen" gibt und in dem schon das alltägliche Überleben eine unglaubliche Mühe bereitet, während unsere größten gesellschaftlichen Probleme Benzinpreiserhöhungen und Bahnstreiks sind oder ob die Kinder lieber Cello lernen sollen oder Ballett.

Ich glaube nicht, dass sich diese Leute vorstellen können oder wollen, wie es ist, seine Heimat zu verlassen – mit der ganzen Familie, weil man vertrieben wird, oder als Einzelkämpfer, um für die zurückbleibende Familie irgendwie ein Auskommen zu finden; und welche Strapazen, welche Unannehmlichkeiten und welche Gefahren solche "humanitären" oder "wirtschaftlichen" Flüchtlinge hinter sich haben, wenn sie hier ankommen, und wie anstrengend, frustrierend und wenig beneidenswert ihr Leben in diesem oft kalten und kaltherzigen Land meist ist, in der manche aus Not und manche vielleicht auch aus Gelegenheit straffällig werden.

Diese Leute können sich wahrscheinlich auch nicht vorstellen, wie es hierzulande aussähe, wenn Deutschland irgendwann einmal nicht mehr gute Geschäfte mit den ärmeren Ländern dieser Welt machen könnte; wenn nicht mehr billige Arbeitskräfte aus den östlichen Nachbarländern ihre Ernten einfahren und ihre Alten und Kranken pflegen und die noch billigeren Arbeitskräfte in fernen Ländern nicht mehr ihre Klamotten nähen, ihre Elektrogeräte zusammenlöten oder die Bodenschätze aus der Erde graben würden; wie es wäre, wenn Lebensmittel plötzlich nicht mehr nur ein Zehntel des Durchschnittseinkommens kosten würden und man sich nicht mehr Gedanken darüber machen müsste, wohin die nächste Urlaubsreise geht, sondern wo heute etwas zu beißen und zu heizen herkommt.

Ich glaube kaum, dass die stolzen reichen Deutschen damit so gut zurechtkommen würden, wie es Milliarden andere Menschen gezwungenermaßen ihr Leben lang tun.

Und natürlich haben die um ihr schönes Abendland (und dessen großenteils durch Verbrechen und Völkermord zustande gekommenen und weitervererbten Wohlstand) besorgten Bürger im reichen Westen vollkommen recht: ihr Idyll ist bedroht, wenn nicht sogar zum Untergang verurteilt.

Sie haben eigentlich nur noch die Wahl, die Reichen und Mächtigen in der Welt (die größtenteils bei ihnen um die Ecke leben) dazu zu zwingen, für einen weltweiten Ausgleich zu sorgen (sprich: Macht und Geld gerecht aufzuteilen)*** – oder der weltweite Kampf um knapper werdenden Ressourcen wird sie überschwemmen und verschlingen, denn die Ströme der Armen, Unterdrückten und Ausgebeuteten zu den Fleischtöpfen werden nicht abreißen, sondern anschwellen, und sich auch nicht durch Gesetze, Grenzen, Kontrollen und drakonische Strafen aufhalten lassen.

Ob wir ihnen Bescheid sagen sollten? Aber werden sie begreifen?
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* Österreicher, Schweizer, Skandinavier, Niederländer, Luxemburger, Belgier, Engländer und in geringerem Maße auch Franzosen, Spanier, Portugiesen und Italiener und deren Verwandte in Nordamerika, Australien und Südafrika
** Das bizarre postkoloniale Phänomen der kleinen Ölscheichtümer, Operettenstaaten mit Harems und Sklaven, lasse ich hier außen vor
*** Sorry, dass ich mich wiederhole...

senf dazu


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