Ente am Ende
Leserbrief zu "Ich war 2020 in 35 Ländern";
ZEIT vom 20. Mai 2021, S. 62f
Montag, 24. Mai 2021, 11:48

Auf Weltreise gehen, bloß um Länder und Regionen "abhaken" zu können...?!?

Reisen waren früher m.o.w. unvermeidliche Ortsveränderungen aus ökonomischer Not (zum Zwecke der Auswanderung, des Eroberungskrieges oder des Handels). Später wurden sie für eine kleine (aber stetig wachsende) Klientel das (relativ seltene) Vergnügen (oder Abenteuer), fremde Orte, Kulturen und Menschen kennenzulernen; mit dem Massentourismus à la Neckermann & Co. ging es dann Vielen vor allem darum, sich bei exzessivem Sonnenbaden und/oder Fress- und Sauf-Orgien vom alltäglichen Arbeitstrott zu "erholen".

Nun ist es offenbar schick, möglichst viele Destinationen "gesehen zu haben" - für zwei Stunden durch Venedig, Barcelona, Dubrovnik, Rio, Tokio laufen und möglichst viele Selfies an den richtigen Stellen schießen. Die Schattenseiten dieses Binge-Tourismus v.a. für die Bewohner dieser (inzwischen kaum noch) attraktiven Reiseziele sollten sich inzwischen herumgesprochen haben. Aber der massive ökologische Schaden, den dieses teure Hobby der (immer noch) oberen Zehntausend unserer aller Umwelt antut, scheint noch nicht ganz im Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit (oder aber der ZEIT-Leserschaft und ZEIT-Reise-Redaktion) angekommen zu sein.

senf dazu



txxx666, 2021.06.20, 10:43
Antwort am 1. Juni per Mail:

(...) Die ökologischen Folgen vieler Reiseformen sind sowohl der ZEIT-(Reise-)Redaktion als auch, denke ich, der ZEIT-Leserschaft seit langem bewusst. Von der Reiseberichterstattung im Ganzen möchten wir uns dennoch nicht verabschieden. Die Protokolle der Vielreisenden sollten allerdings mitnichten dazu dienen, für diese Art exzessiven Unterwegssein etwa zu werben. Wir fanden es ganz einfach interessant, einmal darzustellen, wie sehr manche Menschen in einer Zeit des mutmaßlichen Lockdowns noch unterwegs sein konnten.

Im Kopfschütteln über manche extreme Reise-Agenda sind Sie und ich uns sicherlich einig.

Viele Grüße von

Merten Worthmann

DIE ZEIT

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