Ente am Ende
O du Internationale
Montag, 23. Dezember 2013, 16:57

Wenn zu Weihnachten wieder fett geschlemmt und reich beschenkt wird, unter einem bunt geschmückten Tannenbaum und bei (meist künstlichem) Kerzenschein, dann mag es zuweilen vorkommen, dass bei diesem gemütlichen Wellness-Fest unter der Obhut des Weihnachtsmannes (i.e. der Nikolaus bzw. Väterchen Frost) hier und da auch der Gedanke ans Christkind auftaucht und vielleicht auch das Lukasevangelium gelesen wird, mitsamt Hirten und Heiligen Drei Königen und dem ganzen althergebrachten Brimborium.

Wenn wir allerdings die ganze Geschichte um diesen Hippie-Typen von offenkundigen Legenden befreien (unbefleckte Empfängnis, übers Wasser gehen, wundersame Brotvermehrung, Wasser in Wein verwandeln, Tote auferwecken usw. bis hin zur Auferstehung) und uns nur daran halten, was der historische Jesus von Nazareth den Überlieferungen nach gesagt haben soll (v.a. in der Bergpredigt), dann bleibt uns nur folgender Schluss:

Jesus war Kommunist!

Seine Botschaft (die er möglicherweise in seinen Lehr- und Wanderjahren in Auseinandersetzung mit dem Buddhismus entwickelt hatte) war nämlich die Befreiung und Gleichberechtigung der Armen, Schwachen, Unterdrückten und Ausgebeuteten; und obwohl er immer als besonders friedfertig dargestellt wird (ein Gandhi-Typ à la "Liebe deine Feinde"), konnte ihm auch schon mal der Kragen platzen – etwa bei der Vertreibung der Wechsler (bzw. Banker) aus dem Tempel, wofür er letztendlich von den Machthabern verurteilt und ans Kreuz genagelt wurde.

Die Kirchen haben dieses Vermächtnis gründlich verraten und ins Gegenteil verwandelt, nämlich in eine Institution der Unterdrückung (ähnlich erging es Marx und seiner Lehre). Doch Gott(?) sei Dank gab und gibt es auch "wahre" Christen (ich würde sie vielleicht eher Jesusianer nennen), angefangen bei den Katharern, Waldensern und Franziskanern über die religiösen Sozialisten bis hin zu den Befreiungstheologen in Süd- und Nordamerika (Martin Luther King u.a.), mit denen zusammen ich sagen würde: die Geburt Jesu ist durchaus ein Grund zum Feiern (übrigens auch für Muslime und Juden und alle Anderen) – in diesem Sinne: הַלְּלוּיָהּ und eine besinnliche Party!

senf dazu



vert, 2014.01.03, 05:12
http://www.leo-kofler.de/?page_id=124

Vielen Dank, Monsieur Vert, für diesen Link (den ich ja eher von dem alten Koflerianer Mister Cut erwartet hätte). Ich erlaube mir, die bibliographischen Angaben nachzureichen:

Leo Kofler: Jesus und die Ohnmacht. Zuerst erschienen in I.Fetscher/M.Machovec (Hrsg.): Marxisten und die Sache Jesu, München/Mainz 1974, S.46-61. Nachdruck in Leo Kofler: Geistiger Verfall und progressive Elite. Sozialphilosophische Untersuchungen, Bochum: Germinal-Verlag 1981

Schwerer Stoff, aber unbedingt lesenswert. War Jesus also doch eher Anarcho?
Die Verwandtschaft zwischen dem totalen Protest des ursprünglichen Christentums und dem Anarchismus ist evident (weshalb u.a. Tolstoi sehr gut Christ und Anarchist in einem sein konnte).

Meine vorläufige Lieblingsstelle aber (nach zugegebenermaßen vorerst kursorischer Lektüre):
Was Christus und Marx am auffälligsten verbindet, das ist ihr unbedingter Humanismus, denn beide meinen und erstreben die menschliche Erlösung in ihrer totalen Bedeutung.


Ah, Danke Herr Vert!

Ich hab den Link auch schon parat gehabt. Dann ist es mir durch die Lappen gegangen. Vor Jahr und Tag hab ich darauf bei mir auch schon einmal verwiesen.

Das Zitat zum unbedingten Humanismus bringt es natürlich schön auf den Punkt. Heutige Kategorien wir Anarchist oder Kommunist liegen aber wohl etwas daneben.

Solange es die Dogmatiker aller beteiligten Fraktionen provoziert, ist ein bisschen daneben doch nicht unbedingt verkehrt ; )
senf dazu
 
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