[aʊχ das nɔχ]
Ist Sahra W. noch links?
Freitag, 6. Januar 2017, 11:25

Sahra Wagenknecht hat mal wieder was gesagt, wofür sie von der AfD gelobt und (z.T. reflexartig) von vielen in der eigenen Partei gescholten wird, nämlich „dass über eine gewisse Zeit eine Grenzsituation zugelassen wurde, wo wir noch nicht einmal wussten, wer ins Land kommt. Natürlich ist das ein Problem. Die Zahl der Gefährder hat sich in der Zeit mehr als verdoppelt. Das muss man einfach zur Kenntnis nehmen.

Nun seien wir ehrlich: Freilich planen viele Zugereiste, die vor Krieg und Verfolgung oder einfach „nur“ vor Elend, Armut und Perspektivlosigkeit geflohen sind, in Deutschland möglichst viel Geld für sich (und oft auch ihre daheimgebliebenen Angehörigen) locker zu machen und schrecken dabei teilweise auch nicht vor Sozialbetrug, Drogenhandel, Diebstahl und Raub zurück, und natürlich sind einige tatsächlich undankbar bis unverschämt; und wahrscheinlich gibt es darunter auch solche, die mit dem Vorsatz hierherkommen (oder ihn hier erst fassen), einen Anschlag zu begehen. Nicht alle sind eben so demütig, die Rolle des „christlichen Abendlandes“ als globaler Ausbeuter und Weltpolizist klaglos zu akzeptieren und bescheiden ihr eigenes Plätzlein am unteren Ende der Gesellschaft einzunehmen. Und genau darauf hat Sahra W. auch hingewiesen:

Also dass der Terror jetzt auch Deutschland als Zielscheibe hat, hat ja ganz viel damit zu tun, dass Deutschland sich an vielen Kriegen beteiligt, die in der islamischen Welt vor allem zivile Opfer fordern. Und gerade diese Außenpolitik ist ein wesentlicher Grund dafür, dass wir jetzt so eine hoch brisante Sicherheitslage in Deutschland haben. Und ich wünsche mir, dass wir die endlich überdenken. Weil all diese sogenannten Anti-Terror-Kriege haben den Terrorismus nicht geschwächt, sie haben ihn immer stärker gemacht, sie sind eigentlich komplette Fehlschläge. Und da ist natürlich gerade auch Merkels Verantwortung. Ich erinnere daran, dass Merkel sich sogar damals am Irak-Krieg gern beteiligt hätte. Zum Glück hat sie damals noch nicht regiert und war noch nicht Kanzlerin.

Ich kann verstehen, dass diverse Äußerungen von S.W. (v.a. der wirklich dumme Spruch vom „verwirkten Gastrecht“ vor einem Jahr) manche Linken schockieren oder sogar zum Tortenwurf animieren. Aber wer die „besorgten Bürger“ wieder auf den Boden der Tatsachen und zur Vernunft bringen will, darf auch nicht ständig alles schönreden. Ja, es stimmt: Nicht alle „Flüchtlinge“ kommen wirklich aus Kriegsgebieten; viele sind eher Glücksritter, und dass junge Männer sich vor allem in der Gruppe oft danebenbenehmen, ist wohl eine menschliche Universalie.

Das beste Mittel gegen massenhafte und „unkontrollierte“ Zuwanderung wäre es eben, den Menschen in ihren Heimatländern Perspektiven zu bieten – und das hieße nicht nur, Kriege zu beenden, anstatt davon zu profitieren, sondern auch die himmelschreiende ökonomische Ungerechtigkeit zu bekämpfen, z.B. durch so etwas wie einen globalen Mindestlohn und ein weltweites bedingungsloses Grundeinkommen.

Vielleicht wäre der Preis für eine gerechte Welt und die Alternative zum Untergang der Menschheit tatsächlich, dass wir alle ein bisschen(!) so leben müssten wie damals in der DDR – ohne großes Wirtschaftswachstum, tolle Autos und ständige Fernreisen, weil dies eben für alle ethisch und ökologisch nicht mehr vertretbar wäre. Aber für die überwiegende Mehrheit der Weltbevölkerung wäre ein solch „bescheidenes“ Leben – ohne Luxus, aber mit gesicherter Ernährung und bezahlbarer Kleidung, Wohnung, Heizung usw. – schon ein riesiger Fortschritt.

Und Mitspracherecht, woran es in der DDR oft so bitter fehlte, ist zwar ein teures, aber nicht unbedingt kostspieliges Gut…

senf dazu



birgitdiestarke, 2017.01.09, 13:57
Ewig wachsender Profit uns Bereicherung einiger weniger muss nicht sein. Deine Lösung hört sich gut an, wird aber wohl nicht einmal bei den Armen ankommen. Bitte nicht ganz so wie in der DDR. Da haben sich auch einige wenige auf dem Rücken der Bevölkerung bereichert.

Das "bisschen DDR" meinte ich ja v.a. hinsichtlich eines relativen (und hoffentlich freiwilligen) Konsumverzichts. Ansonsten sollte es natürlich absolut basisdemokratisch zugehen, ohne irgendwelche Privilegien für irgendwen.

Aber wieso sollte diese Lösung nicht bei den Armen (und bei welchen Armen?) ankommen?

Weil ja nun mal die meisten gerne reich werden wollen, jedenfalls solange sie noch nicht ganz die Hoffnung aufgegeben haben.

Diejenigen, die unter dem Existensminimum oder wenig darüber leben, wären sicherlich dafür.

Ich glaube, die meisten Leute würden ein Leben in relativer Sicherheit bei bescheidenem Wohlstand der momentanen Unsicherheit bei geringer Aussicht auf persönliche Statusverbesserung vorziehen - aber ich kann mich natürlich irren.
senf dazu
 
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