[aʊχ das nɔχ]
Gute Nacht, Abendland!
Donnerstag, 27. Juli 2017, 11:04

Die "Identitäre Bewegung" chartert ein Boot, um auf eigene Faust Flüchtlinge auf dem Mittelmeer an der Einreise nach Europa zu hindern ("#DefendEurope"), wird dann aber in Zypern festgesetzt, wo Teile der tamilischen(!) Crew Asyl(!!) beantragen und der Kapitän wegen Schlepperverdacht(!!!) festgenommen wird...
So sind die selbsternannten Verteidiger des Abendlandes zumindest für diesmal gründlich Baden gegangen.

Was es mit diesem von einigen Unbelehrten oder auch Unbelehrbaren hochgeschätzten Abendland so auf sich hat, illustriert z.B. ein Artikel, der heute anlässlich des 475. Jahrestages auf der Wikipedia-Startseite präsentiert wird, nämlich über das erste allge­meine deutsche Straf­gesetz­buch (gültig bis 1871), wo es so unschön heißt:

Art. 192 listet die Todesstrafe nach Hinrichtungsarten auf

Verbrennen
Enthaupten
Vierteilen
Rädern
Hängen
Ertränken
Pfählen
lebendig Begraben

Verschärfend kann angeordnet werden, dass der Straftäter zusätzlich zur Hinrichtungsstätte geschleift (Art. 193) oder zuvor mit glühenden Zangen gerissen wird (Art. 194).
[...] An Leibesstrafen nennt die Carolina in Art. 198 das Abschneiden von Zunge, Fingern, Ohren oder Nase.

Sind das vielleicht die Traditionen, die sich diese Braunauer zurückwünschen? Nun, zumindest das Ertränken im Mittelmeer erscheint ihnen ja wohl für Nicht-Europäer annehmbarer als die Gewährung von Asyl. Und so gesehen ist die Posse um ihre selbstorganisierte und (hoffentlich nicht nur vorerst) kläglichst gescheiterte Küstenwachen-Bürgerwehr zwar vordergründig saukomisch, hat aber natürlich einen zutiefst traurigen Hintergrund...


Stich von Jan Luyken (1649-1712)

senf dazu



txxx666, 2017.08.11, 12:25
Die besten Lehren erteilt doch das Leben selbst - auch wenn die Lektion hier wahrscheinlich auf unfruchtbaren braunen Boden fällt:

Sea-Eye
⚠️ BREAKING NEWS (11.8.17):

Identitären-Schiff "C-Star" in Seenot - Sea-Eye zur Hilfe gerufen

Regensburg (11.8.2017) – Das Schiff C-Star, mit dem die rechtsextreme "Identitäre Bewegung" zur Zeit vor der libyschen Küste kreuzt, ist in Seenot geraten.

Ein Sprecher von EUNAVFOR MED Operation SOPHIA infomierte am Freitagvormittag den Vorsitzenden von Sea-Eye e.V. Michael Buschheuer davon, dass das Nazi-Schiff mit einem Maschinenschaden manövrierunfähig und der Hilfe bedürftig sei.

Da unser Kutter Sea-Eye von der C-Star am nächsten entfernt ist, wurden wir vom MRCC Rom (der Seenotleitzentrale für das westliche Mittelmeer) damit beauftragt, dem Schiff zur Hilfe zu kommen. Die Sea-Eye nimmt derzeit Kurz auf die C-Star.

Michael Buschheuer: "In Seenot Geratenen zu helfen, ist die Pflicht eines jeden, der auf See ist – unterschiedslos zu ihrer Herkunft, Hautfarbe, Religion oder Gesinnung."


Aber das war ja sicher nur Sabotage durch linksgrünversiffte Gutmenschen usw.
Oder ein Flüchtling hat sich böswillig in die Schraube treiben lassen...
senf dazu
 
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