Ente am Ende
Über „Konservative“
Freitag, 5. Juli 2019, 09:47

Ich finde es einfach unsympathisch, wenn Leute, die qua Geburt viel besser gestellt sind als Andere bzw. der Durchschnitt, sich nicht etwas dankbar, demütig und bringschuldbewusst zeigen, sondern so tun, als seien ihre Privilegien nicht ererbt oder ergaunert, sondern vielmehr wohlverdient, und als seien weniger Begüterte, die ebenfalls nach diesem Wohlstand streben, schlechtere Menschen – und wenn solche Bessergestellten stets noch bemüht sind, die offensichtlich ungerechten Strukturen, die ihnen zum alleinigen Vorteil gereichen, zu perpetuieren (zu „konservieren“) und dabei – auch wenn sie es sich oft nicht bewusst machen (wollen) – tatsächlich über Leichen gehen.

Ich muss allerdings zugeben, dass es uns, die wir das Glück haben, nicht derart beschränkt, verängstigt und verhetzt geworden zu sein wie mach Andere, nicht gut ansteht, sich über diese unglücklichen Irregeleiteten allzusehr zu erheben; da wäre manchmal sicherlich auch mehr Demut und Mitleid (Sym-Pathie) angebracht.

senf dazu



malone70, 2019.07.05, 10:45
Schade, dass du bei dieser einseitigen Sichtweise bleibst. Um es mal mit derselben Überspitzung zu arbeiten wie du: Wir sind an allem Elend schuld und die Armen in der Welt sind unsere Opfer, die nicht im Mindesten für ihre Situation mitverantwortlich sind. Vor allem sind sie NUR Opfer, ohne jemals von irgendeiner westlichen Errungenschaft haben zu können. Aber selbst wenn das richtig wäre, was es beileibe nicht ist, wenn auch nicht GANZ falsch, dann wäre unkontrollierte Massenmigration trotzdem keine Lösung für die Probleme, sondern würde nur neue schaffen.

Dein "Erklärungsansatz" deckt auch nicht solche Phänomene ab, dass manche Staaten den Sprung schaffen, während in anderen nichts vorangeht. Offensichtlich ignorierst du soziale und kulturelle Faktoren komplett, damit du dich und uns gleich mit genüsslich geißeln kannst. Das ist aber weder konstruktiv noch fruchtbar. Wenn man die maßgeblichen Gründe nicht wahrhaben will, dann kann man auch nicht an den Wurzeln ansetzen und Lösungen schaffen.

Ja, noch mal: Du hast in vielem Recht, es läuft nicht alles wie es sollte in einer idealen Welt. Man müsste mehr unternehmen gegen Korruption und Ausbeutung. Das habe ich auch auf drei verschiedenen Wegen, die in meiner bescheidenen Macht stehen, versucht. Aber ich sehe trotzdem nicht ausschließlich das Negative, und wenn ich mich schon verantwortlich für das Schlechte fühlen soll, dann bin ich halt auch konsequenterweise stolz auf das Gute, dass aus meiner Kultur kommt. Das wären: Gute fünf Milliarden Menschenleben mehr, als es ohne westliche Techniken geben könnte. Soziale Errungenschaften wie individuelle Freiheit, Gleichberechtigung, Demokratie, Gleichheit vor dem Gesetz uswusf.

Und wenn du und deine linksdrehenden Freunde - sorry wenn ich da was unterstelle, aber ich habe mich selbst auch nie als Konservativer geschweige denn Rechter gesehen - euch schlecht, beschämt und schuldig fühlen wollt, dann ist das euer Bier. Aber lasst doch bitte die Leute in Frieden, die um eine objektivere und konstruktivere Sichtweise bemüht und nicht zu jedem Opfer bereit sind.

Hier - nochmals - ein Denkanstoß, der auf Empirie beruht: https://www.weforum.org/agenda/2019/01/seven-charts-that-show-the-world-is-actually-becoming-a-better-place

Ob fünf Milliarden Menschenleben mehr wirklich einen Fortschritt darstellen, darüber ließe sich streiten - die Lebensqualität sollte da vielleicht auch eine Rolle spielen.

Und mir geht es nicht um Selbstgeißelung, sondern darum, Verantwortungsbewusstsein zu fördern und zu fordern - mit Selbstbeweihräucherung und dem Fingerzeigen auf Andere wird sich bestimmt nichts zum Besseren ändern; im Gegenteil.

Und leider kann ich euch nicht "in Ruhe lassen", denn euer asoziales Verhalten fällt leider auch auf mich zurück - sorry.
senf dazu
 

c17h19no3, 2019.07.05, 11:51
habe dazu (nicht exakt zum thema begütertsein, das wurde hier etwas breiter aufgefächert) diesen sehr klugen artikel gelesen:

https://www.deutschlandfunkkultur.de/psychologie-und-privilegien-die-unangenehme-wahrheit.976.de.html?dram:article_id=452441&utm_source=pocket-newtab

Sehr schön (v.a. dass auch Pierre Bourdieu zitiert wurde), aber auch ganz schön lang... ; )
senf dazu
 

braincrutch, 2019.07.06, 09:08
Stimme hier überwiegend zu, jedoch redet es sich leicht, wenn man selbst nicht in einem gemachten Nest gesessen hat. Weiterhin möchte ich anmerken, daß der auf diesem Bild gezeigte Selbstdarsteller aus einer Kirmesbauer-Familie entsprungen ist, und lediglich einen Hauptschulabschluss erreicht hat. Also nix mit Küken aus gemachtem Nest in diesem Fall. Bei diesen beiden Witzfiguren greift wohl eher das Vergessen, daß man selbst aus dem von Ihnen belächelten Proletariat stammt. Aber: Auch viel Geld macht aus Kölner "Bureremmeln" keine Leuchten.....

Wir in Deutschland nach 1945 als Autochthone Geborenen haben doch irgendwie alle m.o.w. in einem gemachten Nest gesessen.
senf dazu
 
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