[aʊχ das nɔχ]
Tempi passati
Montag, 27. März 2017, 10:06

Heute bin ich ja eher digital naiv – in meiner Jugend jedoch war ich (für damalige Verhältnisse) ein waschechter digital native.

1982 (da war ich 14 oder 15) schenkte uns Onkel Geo aus München, seines Zeichens Mathematiker, einen Sinclair ZX81 mit Folientastatur, auf dem ich erste Programmierversuche startete – ich erinnere mich an ein Spiel, bei dem zufällig von oben herantaumelnde Os von einem auf der Grundlinie hin und her zu bewegenden Y aus mit Punkten abgeschossen werden konnten (im Grunde eine ganz billige Version von Space Invaders) und das nach etwa einer Minute stets stehenblieb, weil der Arbeitsspeicher von 1 KB voll war.

Ein Jahr später kam ich in die Elf und wählte Mathe und Informatik als Abifächer.

Unsere Kollegschule verfügte damals über einen(!) Dietz-Rechner mit den Ausmaßen eines mannshohen Kühlschranks, in den Floppy-Disks von fast LP-Größe (acht Zoll) einzuführen waren und der über ganze vier Arbeitsplätze verfügte, die wir uns bis 1985 (als auf einmal 16 Apple-PCs für für uns bereitstanden) mit allen anderen Informatik-Klassen teilen mussten, so dass die persönliche Zeit am Computer auf maximal zwei Stunden pro Woche beschränkt war.

Dies war äußerst unbefriedigend, und ich erinnere mich an ein kleines Störprogramm, welches ich damals in BASIC geschrieben habe und das ungefähr so lautete:

10 PRINT CLEARSCREEN
20 INPUT A$
30 IF A$="ERROR 5697 ?" THEN GOTO 60
40 PRINT "ERROR 5697"
50 GOTO 20
60 PRINT "FALSCHER BENUTZER AM GERAET"
70 GOTO 20

Wenn dieses Programm gestartet wurde, sorgte es zunächst für einen „sauberen Bildschirm“ (damit nicht zu sehen war, dass bereits ein Programm lief) und simulierte dann die normale Eingabeoptik (ein blinkender Cursor). Aber egal, was eingegeben wurde – nach Drücken der ENTER-Taste erschien immer die selbe (fiktive) Fehlermeldung ("ERROR 5697"), und nur, wenn diese in der üblichen Form abgefragt wurde, erschien die Erklärung: "FALSCHER BENUTZER AM GERAET".

Als wir wieder einmal aus dem Computerraum gescheucht wurden, weil die (bei uns besonders unbeliebten) Handelsschüler irgendeine stupide Buchhaltungs-Software einüben sollten, starteten wir dieses Verarschungsprogramm auf allen vier Terminals und beobachteten dann durch die Scheibe, wie diese Doofis daran verzweifelten und tatsächlich die Plätze tauschten, um irgendwie den richtigen Benutzer ans dazugehörige Gerät zu bekommen, bis nach ca. einer Stunde ein zu Hilfe gerufener Lehrer das Elend in Endlosschleife mit einem ebenso beherzten wie genervten Affengriff (Strg + Alt + Entf) schließlich beendete.

Wenn damals herausgekommen wäre, dass dieser schelmische kleine Streich auf meine Kappe ging, hätte ich (laut Ansage unseres zuweilen etwas furchteinflößenden Informatik-Lehrers) für den Rest meiner Schulzeit Computerraumverbot bekommen; aber heute ist es wohl verjährt, und ich bitte um Verzeihung, falls diese Aktion die Karriere des einen oder anderen Handelsschülers be- oder gar verhindert haben sollte. Ich selber jedenfalls bin leider nach dem Abi nicht der Informatik treu geblieben, sondern habe törichterweise Sprach- und Literaturwissenschaft studiert – weshalb ich nun nicht in Geld schwimme, sondern Stammgast bei der Tafel bin.

senf dazu



conma, 2017.03.27, 10:19
Ich bin auch nicht in der Informatik gelandet und plage mich gerade - also jetzt nicht, aber nachdem ich diesen Eintrag gemacht habe wieder - mit BASIC. Nennt sich Excel-Makro :( und ich verzweifle ...

Echt, da wird BASIC heute noch verwendet?! Dabei hat unser Lehrer schon damals (1983) immer geschimpft über diese "Spaghettiprogrammierung" mit den Sprungbefehlen und uns schnellstmöglich auf PASCAL umgeschult.
senf dazu
 

braincrutch, 2017.04.02, 06:56
Was klaget hier der Ex-Student,
weil dienstags er zur Tafel rennt????
Das er sich jedoch keck erdreistet,
und sich auf Staatsgeld Rauschgut leistet.

Der Kühlschrank voll, die Birne dicht,
So schlimm ist es dann doch wohl nicht.
Warum dann also diese "Trauer"?

SOLCH HEUCHELEI MACHT MICH ECHT SAUER!!!

Dies Verschen wohl nicht lang verbleibet,
weil's Haupthaar in die Höhe treibet.
Die Meinung kundtun mocht' ich nur,
bevor es frisst sie die Zensur.......

Dazu stelle ich fest:

(1.) Klage und Trauer halte ich für etwas übertrieben - wo meint der geneigte Poet denn solcherlei herausgelesen zu haben?

(2.) Inwiefern ist oder wäre es Heuchelei, ein Dasein als Sozialschmarotzer, Resteesser und Suchtstoffabhängiger (wie es mir der Verfasser ja offenbar vorwirft) zu bedauern?

(3.) Mein Haupthaar lässt sich nicht (mehr) in die Höhe treiben, bin ich doch seit nunmehr Jahrzehnten unstolzer Inhaber einer Pläte.

(4.) Mir Zensur vorzuwerfen, ist nun wirklich ein starkes Stück - ich habe Zeit meiner Blogbetreibung (und das sind nunmehr bereits über acht Jahre) noch nie einen Kommentar, und sei er noch so bösartig gewesen, gelöscht; zum Beweis verweise ich auf die teilweise derben Beschimpfungen unter meinem Offenen Brief an Sven Regener...

Nichtsdestoweniger zolle ich der gelungenen Reimform meine Hochachtung.

apropos ZENSUR:

Auf FACEBOOK ist es verboten, den bekannten Philosophen SÖREN KIERKEGAARD zu zitieren. Jeder Kommentar, der das folgende Zitat enthält, wird in kürzester Zeit gelöscht. S.K. im Jahre 1846:

GOTT IM HIMMEL WEISS: BLUTDURST IST MEINER SEELE FREMD, UND EINE VORSTELLUNG VON EINER VERANTWORTUNG VOR GOTT GLAUBE ICH AUCH IN FURCHTBAREM GRADE ZU HABEN: ABER DENNOCH, DENNOCH WOLLTE ICH IM NAMEN GOTTES DIE VERANTWORTUNG AUF MICH NEHMEN, FEUER ZU KOMMANDIEREN, WENN ICH MICH NUR ZUVOR MIT DER ÄNGSTLICHSTEN, GEWISSENHAFTESTEN SORGFALT VERGEWISSERT HÄTTE, DASS SICH VOR DEN GEWEHRLÄUFEN KEINE EINZIGER ANDERER MENSCH, JA AUCH KEIN EINZIGES ANDERES LEBEWESEN BEFÄNDE ALS - JOURNALISTEN.

zitiert wurde dieser Passus u.a. auch von Karl Kraus in seiner Essaisammlung "Weltgericht", erschienen 1919. Was damals erschien, darf heute nicht mehr zitiert werden, denn große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus: eine moralisch völlig zerlumpte, bis auf die Knochen verlogene Bande von Polithalunken dieseits und jenseits des Atlantik, besoders in Deutschland unterstützt von einer Journaille unentwegt moralisierender Kriegshetzer, besitzt die Frechheit, für sich "Menschlichkeit" zu reklamieren, nämlich Verbrechen mit Krieg verhindern zu wollen, die sie doch heimlich selber anzetteln helfen, um sich Vorwände zu verschaffen. Ein seit 50 Jahren erprobtes Verfahren, um die eigenen Verbrechen zu legitimieren, einfach den Gegner grob lügnerisch dessen zu beschuldigen, was sie selber tun. Der Imperialismus rüstet zur letzten Schlacht, und dazu muß das Gesocks seiner Protagonisten vollends moralisch parterre gehen, und dem Oberverbrecher, dem einzigen wirklichen Terrorstaat auf Erden, bedingungslose Gefolgschaft schwören! Das internationle Recht der UN-Charta wird einfach mit Füßen getreten, die eigene UNMORAL als Oberinstanz eingerichtet, der sich alle zu beugen haben. In Deutschland hieß die Parole, mit der die martialische Aufrüstung der SPD seinerzeit (Weltkrieg I) betrieben wurde, "Bebel marschiert!" - Heute müßte sie heißen: Gabriel marschiert! Merkel marschiert! - nach dem Tritt, den ein Caligula mit Kernwaffen vorgibt: Donald Trump und seine Bande.
Da könnte man fast auf die Idee kommen, künftig die AfD zu wählen, um die Visagen der Bande genau mit dem Dreck zu beschmieren, dessen sie würdig sind, auf das man besser zu erkennen vermöge, wess' Geistes Kinder auch in ihren Schädeln hausen!

Das werde ich gleich mal veri- (oder auch falsi-)fizieren...

Also bis jetzt (über 18 Stunden später) hat noch keine Zensur stattgefunden; und so sehr ich die Empörung über die Bellizisten in Politik, Medien und v.a. Wirtschaft (nicht zu vergessen!) teile, so halte ich doch den Gedanken, AfD zu wählen, für völlig abwegig, da diese Partei (ganz ähnlich wie Trump) sich zwar des "Unmuts über die Etablierten" bedient, selber aber mindestens so ins kapitalistische (und damit kriegserzeugende) System verstrickt ist wie die "alten Eliten".
Abhilfe wäre da höchstens von einer dezidiert antikapitalistischen Linken oder (wie immer mein Reden) einer radikaldemokratischen Initiative (s.u.) zu erwarten.

komisch: mein Senf zu deinem Senf ist irgendwie verloren gegangen. Hab' keinen Bock alles nochmal zu schreiben. Poste das Zitat via FB in die öffentlich Gruppe SPUTNIK, den Tummelplatz für Trolle jeder Art, z.B. als passenden Kommentar zu journalistischen Entgleisungen. Mal sehen, wie lange es zu finden sein wird.

Hier ist was verloren gegangen? Oder bei Bratzfluch? Jedenfalls hab ich grad gekuckt und festgestellt: der Eintrag mit deinem Zitat oben ist dort immer noch unzensiert in meiner Timeline...

Wir wollen der Frage, ob FB zensiert, auch nicht zu viel Aufmerksamkeit widmen. Vielleicht hat sich in meinem Fall ja Irgendwer beschwert, der es in den "falschen Hals" gekriegt hat. Oder der Admin der offenen Gruppe hat es vorsorglich beseitigt. Alles möglich und nicht so superwichtig.

Du meintst wohl "Fratzbuch". Wo hast du geguckt und festgestellt....? Kann ich da auch gucken? Würde mich interessieren.
Wenn du eine FB Seite hast, dann mache ein Bild aus dem Zitat, evtl. mit einem Bild von S.K. unterlegt, lade es auf deine Seite hoch - und teile das mit all deinen Freunden! Je mehr Freunde du hast, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Beitrag nicht lange zu sehen sein wird. Plötzlich ist der Bildrahmen leer. So jedenfalls war es bei mir.
Wenn dieser Blog hier in einer öffentlich Gruppe bei FB vertreten ist, dann teile mir bitte mit, welche das ist. Die kann ich dann ja mal aufsuchen und selber nachschauen. Werde auch auf FB mal unter "misantrope.blogger.de" suchen.

Grüße

Das ist mir ehrlich gesagt nicht nur zu aufwendig, sondern widerstrebt mir auch deshalb, weil ich Gewehrfeuer auf Journalisten (und wären diese in toto noch so verachtenswert, was ich ganz und gar nicht finde) grundsätzlich ablehne.

Ja schön. Ich selber hatte noch nie ein Gewehr i.d. Hand, und nach Allem was wir wissen hat S.K. nie einer Fliege etwas zu Leide getan. Aber ich weiss jetzt immer noch nicht, WO du das Zitat untergebracht hast, und es noch immer zu lesen ist. Aber das ist auch nicht so wichtig.

Wieso heißt euer Blog eigentlich "misanthrope.blogger"? Außer meinem letzten Beitrag habe ich hier noch nie etwas Misanthropisches gelesen. Ich möchte eher mal sagen: Ihr seid heillose Optimisten! Schon euer plebiszitärer Ansatz (PERMANENTES Plebiszit!) zeugt davon, ferner euer Glaube an Petitionen. Ich kann mich des Eindrucks oft nicht erwehren, die überwiegende Mehrheit eurer Plebs, der ihr die Staatsgeschäfte des Innern wie des Äußeren gänzlich in die Hände geben wollt, ist einfach nur STRUNZDUMM. Immer wenn ich den Fernseher einschalte und mir die Nachrichten anschaue, beschleicht mich dieses Gefühl. Alleine schon die regelmäßig hohe Wahlbeteiligung begünstigt eine solche misantropische Einschätzung.
Richten wir den Blick nach Frankreich, wo morgen gewählt wird: Die Konservativen, die Rechten unter Le Pen, sowie der komische abgeleckte Heringsschwanz (wie heißt er doch gleich?), der mich an Tony Blair erinnert, VERSPRECHEN ihrem Wählervolk höhere Rüstungsausgaben! Nein, sie DROHEN nicht etwa höhere Rüstungsausgaben an, sondern gehen mit der Ankündigung Derselben auf Stimmenfang! Die allerdümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber, weil die ihnen schärfere Messer versprechen, oder bessere Schussapparate, um sie zu Tode zu bringen! Le Pen hat gute Aussischten, die Staatspräsidentin Frankreichs zu werden. Das nenne ich ein Plebiszit! - und dann auch noch in Permanenz? Nein danke, ich hab' schon gekotzt!

Ist das nun ein misanthropischer Beitrag oder nicht? Vielleicht sollte ich in Zukunft bei euch das Ressort Misanthropie leiten.

Je mehr Entscheidungen gefällt werden, desto weniger wichtig ("schicksalshaft") ist die Einzelentscheidung (weil sie ja dann auch jederzeit revidiert werden kann), und umso eher wird auch das Element der Strunzdummheit sich quasi statistisch ausgleichen; abgesehen davon werden die Leute, wenn sie erst real Verantwortung tragen, auch mehr Verantwortungsbewusstsein entwickeln und sich z.B. mit den abzustimmenden Fragen, auch wenn sie etwas komplexer sind, etwas genauer beschäftigen (die Dummheit würde also abnehmen bzw. das Wissen zunehmen).

"Ihrzen" braucht man mich übrigens nicht, ich verantworte den Quatsch hier ganz alleine und bin Zweckoptimist, eben weil ich alle Menschen (mich natürlich eingeschlossen) als hoffnungslose Egoisten ansehe; ein Überleben halte ich also nur für möglich, wenn sich all diese Egoismen gegenseitig so weit wie möglich ausgleichen und nicht einige Wenige (seien sie gewählt oder anderweitig an Macht gelangt) ihren persönlichen Stiefel durchdrücken können, wie es ja heute leider noch der Fall ist.

Falls wir aber das Privileg haben sollten, dem Untergang der Menschheit beizuwohnen, würde ich das auch weder verwunderlich noch besonders tragisch finden.

huppsss!! Jetzt hat doch tatsächlich der abgeleckte Heringsschwanz, das Macrönchen, die Vorwahlen gewonnen! Ein ehemaliger Investmentbanker schickt sich an Frankreich zu "reformieren". Also mehr Wirtschaftsliberalismus, Einschnitte bei den Sozialleistungen, noch mehr Arbeitslosigkeit, "Sanierung" der Staatsfinanzen auf Kosten der Arbeiter, Angestellten und überhaupt Aller, die ihre Arbeitseinkommen monatlich aufbrauchen müssen, um über die Runden zu kommen. Den Wehretat will er auch erhöhen. Aber gegen WEN eigentlich. Wo ist die Gefahr, der mit weiterer Rüstung gewehrt werden könnte?
Die Dummen werden einfach niemals alle. In der "Demokratie" entscheiden sie Alles - zu ihren eigenen Lasten und Nachteilen. Sollten sie wenigstens mit dem Leben davonkommen, dann dürfen sie froh sein. Wenn nicht, dann sind sie halt für's Vaterland gestorben, oder für irgend einen anderen Furz.
senf dazu
 
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Zur Petition Für eine Weiterentwicklung der Demokratie
Das Prinzip Permanentes Plebiszit

Wozu ist der Mensch auf der Welt? Zum Sterben.
Und was heißt das? Rumhängen und warten.

Charles Bukowski



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