[aʊχ das nɔχ]
Freitag, 23. Dezember 2016
Mathe für Anfänger Polizeischüler
Freitag, 23. Dezember 2016, 15:57

Durch die Medien geistert seit Tagen (und langen Nächten) die Angabe, für die Rund-um-die-Uhr-Überwachung eines "Gefährders" brauche es rund 30 Beamte.

Wenn nun die Woche 168 Stunden hat und wir davon ausgehen, dass jeweils zwei Personen für die Überwachung abgestellt sind, wären das 336 Stunden; geteilt durch die 30 Beamten ergäbe sich somit eine (nach Abzug von urlaubs- und krankheitsbedingten Fehlzeiten) wöchentliche Netto-Arbeitszeit von (336 / 30 = 11,2 =) elf Stunden und zwölf Minuten für eine(n) deutsche(n) Polizeibeamte(n)...?!

Das hätte ich mir (auch angesichts der immer wieder beklagten Millionen Überstunden) ehrlich gesagt dramatischer vorgestellt...

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Eine Weihnachtsgruselgeschichte
Freitag, 23. Dezember 2016, 08:40

Ronnie ist Anfang zwanzig und kommt, wie seine Eltern und deren Eltern, aus Mecklenburg. Er wohnt in einem kleinen Ort an der Ostsee und ist, wie viele seiner Freunde, arbeitslos und lebt von „Hartz IV“.

Ihre oft reichlich bemessene Freizeit verbringt die Dorfjugend im Sommer am liebsten am Meer; doch seit einigen Jahren treffen sie dort immer häufiger auf Fremde. Ein großes Hotel in der Nähe hat sich offenbar auf Touristen aus den Golfstaaten spezialisiert, und so finden sich am Strand jetzt immer mehr reiche Araber, oft ganze Familien in ihren Trachten, die Frauen verschleiert, und schauen hochnäsig herüber, wenn die einheimischen Jugendlichen nackt baden, ihre Würstschen grillen und dazu Bier trinken.

Teile des Ortes haben sich auf die Urlauber eingestellt und profitieren davon, aber Ronnie und seinesgleichen sind nur genervt: am Strandkiosk gibt es seit einiger Zeit nichts Schweinernes mehr, sondern nur noch sauteures Rind- und Hammelfleisch, und auch nur noch alkoholfreie Getränke; Teile des Strandes sind zu Privatbesitz erklärt und für nichtzahlende Einheimische gesperrt worden; und als Ronnie und seine Clique kürzlich direkt neben der Absperrung eine ostentativ feuchtfröhliche Grill- und Badeparty wie früher veranstalteten, kamen doch auf Betreiben der muslimischen Hotelgäste tatsächlich die Bullen und haben sie weggejagt.

Ronnie interessiert sich eigentlich nicht sehr für Religion; aber dadurch, dass er inzwischen einen regelrechten Hass auf diese Araber entwickelt, beschäftigt er sich jetzt im Internet viel mit dem Islam und fühlt sich dabei immer mehr als bedrohter christlicher Abendländer. Und manchmal träumt er davon, selber nach Dubai oder Abu Dhabi zu fahren, um sich da auch mal schwer danebenzubenehmen – aber das könnte er sich natürlich niemals leisten...

Was ist das – die durchgeknallte Phantasie eines Thilo Sarrazin oder der feuchte Traum einer AfD-Funktionärin? Nein, das ist der (vielleicht nicht sehr gelungene) Versuch, das in deutsche Verhältnisse zu übertragen, was ich erleben musste, als ich (vor über 20 Jahren) einmal in Marokko und ein anderes Mal in Tunesien Urlaub machte. Denn ich habe sie erlebt, die Pauschaltouristen aus Deutsch- und England, Frankreich und den Niederlanden, wie sie an den Neckermann-Stränden von Agadir und Sousse selbstherrlich ihre voluminösen Bierwampen und Hängetitten auspackten, während vielleicht ein paar Meter weiter verschleierte Frauen mit ihren Kindern saßen, und wie sie versucht haben, den ohnehin schon lächerlich niedrigen Reisepreis („Schnäppchen!“) wegen „entgangener Urlaubsfreuden“ im Nachhinein noch zu drücken, weil sie sich von Einheimischen am Hotelstrand belästigt gefühlt hatten; und ich habe sie auch vereinzelt(!!!) dort bei Jugendlichen aufblitzen sehen: den Hass auf unsere Respektlosigkeit, die Verachtung für unsere dekadente Lebensweise, und auch den Neid auf unseren (relativen) Reichtum und die daraus resultierende Bewegungsfreiheit...

Vielleicht ist das ein Teil der Antwort auf die in den letzten Tagen viel gestellte Frage, was das nur für Menschen seien, die hier mit mehreren Identitäten versuchen, ihrer Abschiebung zu entgehen und in der Illegalität von Drogenhandel und kleinen Diebstählen oder Raubzügen zu überleben, die teilweise zuweilen im Gedränge Frauen in den Schritt fassen und von denen einige vielleicht sogar einen mörderischen Hass auf alles „Westliche“ entwickeln.

Langfristig wird sich an dieser „Bedrohungslage“ weder durch mehr Überwachung noch durch härtere Gesetze etwas ändern lassen; nötig wäre es, wieder mehr Achtung voreinander zu entwickeln, und dazu würde zuallererst gehören, allen Menschen gleiche Rechte zuzugestehen; und das wiederum bedeutet: Die Unterdrückung und Ausbeutung der Armen durch die Reichen und der armen Länder durch die reichen Länder muss ein Ende haben!

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Donnerstag, 22. Dezember 2016
Translatologische Notiz
Donnerstag, 22. Dezember 2016, 13:37

Il n’y a qu’un problème philosophique vraiment sérieux : c’est le suicide. Juger que la vie vaut ou ne vaut pas la peine d’être vécue, c’est répondre à la question fondamentale de la philosophie.

So beginnt Le mythe de Sisyphe ("Der Mythos des Sisyphos"), der "Versuch über das Absurde" von Albert Camus. In der deutschen Fassung werden diese beiden Sätze meist so wiedergegeben:

Es gibt nur ein wirklich ernstes philosophisches Problem: den Selbstmord. Sich entscheiden, ob das Leben es wert ist, gelebt zu werden oder nicht, heißt auf die Grundfrage der Philosophie antworten.

Dies ist insofern problematisch (wenn nicht inakzeptabel), als "Selbstmord" ein (negativ) wertender Begriff ist - Mord gilt schließlich als das strafwürdigste aller Verbrechen (das deshalb auch niemals verjährt). Ich als leidenschaftlicher Hobby-Übersetzer plädiere daher dafür (auch wenn es niemanden interessieren dürfte), das Wort "suicide" originalgetreu als "Suizid" ("Selbsttötung") zu übertragen (denn "Freitod" wäre vielleicht fast schon wieder ein wenig zu euphemistisch).
Und wo ich schon dabei bin: "que la vie vaut ou ne vaut pas la peine d’être vécue" heißt streng genommen nicht "ob das Leben es wert ist, gelebt zu werden oder nicht", sondern "ob das Leben der Mühe wert ist oder nicht" - denn eine wahre Mühsal ist es ja oft...

Aber nicht vergessen, zu welchem Schluss Camus kam:

Il faut imaginer Sisyphe heureux ("Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen")* - und ab heute werden die Tage wieder länger, und das annus horribilis 2016 ist auch endlich bald vorbei; auf bessere Zeiten!
__________________________________________________________
* Auch diese Übersetzung ist eigentlich unangemessen; einigermaßen wörtlich müsste es heißen: "Man muss sich Sisyphos glücklich vorstellen"!

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Dienstag, 20. Dezember 2016
Der Krieg kommt näher
Dienstag, 20. Dezember 2016, 20:55

Ein Vierzigtonner pflügt sich durch die Menschenmassen eines Weihnachtsmarktes mitten in Berlin – ein absolutes Horrorszenario, wie wir es den omnipräsenten und omnipotenten Islamisten zuzutrauen gelernt haben! Ein Unfall wird bald ausgeschlossen, ein Anschlag soll es sein, rasch wird ein pakistanischer Flüchtling als Verdächtiger präsentiert, flugs eine Flüchtlingsunterkunft gestürmt, und gleich lassen die üblichen Verdächtigen von AfD (Pretzell, Petry, Gauland) und CSU (v.a. Seehofer) ihre lange vorbereiteten Hetzreden ab; der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Klaus Bouillon (CDU), faselt sogar den „Kriegszustand“ herbei – „Hurra, der Terror ist endlich da!“, legt die TITANIC diesen Typen treffend in den Mund. Und dass noch gar nicht klar ist, wer es wirklich war, dass sich offenbar bislang weder der IS noch sonstwer dazu bekannt hat* und der inzwischen wohl nicht mehr so dringend verdächtige Pakistani inzwischen wieder freigelassen wurde, wird an der hochkochenden Pogromstimmung pünktlich zu Weihnachten kaum noch etwas ändern – sollte sich jetzt herausstellen, dass der LKW-Killer vom #Breitscheidplatz doch „nur“ ein einheimischer verwirrter Amokfahrer war (vielleicht sogar einer, der eine falsche Fährte legen wollte), werden die Lügenpresse- und Volksverräter-Rufer sich ganz sicher sein, dass ihnen nur wieder etwas vorgemacht werden soll.

Bei Hatebook lese ich einen vielgeleikten und oftgeteilten Text, in dem es u.a. heißt:

macht Platz ihr Jämmerlichen,
für Jene die handeln wollen und können


– und ich frage mich, welche Maßnahmen sind da geplant?

Diese Stimmung ist es, die mich ängstigt, und die aus einem gewiss fürchterlichen, aber eigentlich gar nicht so einmaligen Anlass jetzt wieder einmal hochkocht; in Afghanistan, im Irak und in Syrien, aber auch in vielen anderen Ländern, in Amerika, Afrika und Asien und selbst in Europa (z.B. in der Ukraine oder der Türkei) finden solche und schlimmere Anschläge zum Teil täglich statt, und „reguläre Militärschläge“, an denen sich auch Deutschland allzu oft indirekt und auch direkt beteiligt hat und von denen wir Waffenexportmeister immer auch profitieren, sind meist nicht unbedingt weniger grausam und willkürlich.

Und ohne zynisch werden zu wollen: hierzulande gibt es im Schnitt zehn Verkehrstote pro Tag; wäre es da nicht vielleicht auch mal an der Zeit, darüber nachzudenken, ob der massenhafte LKW- und Individualverkehr in unseren Städten und in unserem Land nicht allein für sich schon ziemlich tödlich ist...?!
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* Mit gut 24 Stunden Verspätung: IS reklamiert Anschlag für sich – Trittbrettfahrer, ick hör dir hupen...

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Mittwoch, 14. Dezember 2016
A Tribute to... Maria Sibylla Merian
Mittwoch, 14. Dezember 2016, 14:36

So kann's gehen: mit über 50 die (im 17. Jahrhundert für eine Dame vielleicht besonders) strapaziöse Reise nach Suriname unternommen, darüber dann ein gelehrtes Buch mit wunderschönen Bildern veröffentlicht und am Ende auf einem (auch schon wieder abgeschafften) D-Mark-Schein gelandet; sic transit gloria mundi...

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Freitag, 9. Dezember 2016
С Днем Рождения
Freitag, 9. Dezember 2016, 10:38

Wird heute sagenhafte 100 Jahre alt und erfreut sich (hoffentlich) bester Gesundheit: Issur Danielowitsch Demsky alias Kirk Douglas, Sohn jüdisch-russischer Migranten aus Weißrussland in ein New Yorker Armenviertel, ehemaliger Ringkämpfer, Student (Chemie und Englische Literatur) und Hausmeister sowie Held zahlloser Filmklassiker — ich nenne hier nur meine Favoriten:

20.000 Meilen unter dem Meer
Die Fahrten des Odysseus
Vincent van Gogh
Wege zum Ruhm
(von Stanley Kubrick)
Die Wikinger
Der letzte Zug von Gun Hill
Spartacus
(ebenfalls von Stanley Kubrick)
Archie und Harry


— und auch im wahren Leben ein Vorbild, da unbequem und widerständig; Näheres dazu entnehmen Sie bitte der heutigen Tagespresse.

Vielen Dank - für alles!

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Donnerstag, 1. Dezember 2016
Betrifft: #AfD #Volksentscheid
Donnerstag, 1. Dezember 2016, 10:26

Wenn die AfD es ernst meint mit ihrer Forderung nach mehr direkter Demokratie und Volksentscheiden auf Bundesebene1 – warum formuliert sie nicht eine entsprechende Petition2, mobilisiert ihre Millionen Wähler und Sympathisanten, diese zu unterschreiben, und sorgt so dafür, dass das Thema im Bundestag und in der Öffentlichkeit zumindest diskutiert3 wird?

Oder geht es dem Führungspersonal der AfD etwa am Ende vor allem darum, gut dotierte Posten in den Parlamenten und Verwaltungen zu ergattern, ganz so wie bei den etablierten Parteien?

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1 Grundsatzprogramm der "Alternative für Deutschland", Punkt 1.1:
Die AfD setzt sich dafür ein, Volksentscheide in Anlehnung
an das Schweizer Vorbild auch in Deutschland einzuführen.


2 Hier wäre schon einmal ein Entwurf...

3 Petitionen mit über 50.000 Unterschriften müssen im Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages
behandelt werden.

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Dienstag, 29. November 2016
Filmtipp
Dienstag, 29. November 2016, 11:08












         Uns ist in alten mæren / wunders vil geseit           
         von heleden lobebæren / von grozer arebeit        

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Donnerstag, 24. November 2016
Was erlaube Chulz?
Donnerstag, 24. November 2016, 10:16

Wikipedia weiß Interessantes über den Spezialdemokraten-Spitzenkandidaten in spe, Martin Schulz, zu berichten:

Mitte der 1970er-Jahre wurde Schulz als Jugendlicher zum Alkoholiker. Über diese Zeit stellte er fest: „Ich war ein Sausack und kein besonders angenehmer Schüler“. [*] Seit 1980 lebt er abstinent.

Nach einem Jahr der Arbeitslosigkeit absolvierte Schulz von 1975 bis 1977 eine kaufmännische Ausbildung zum Buchhändler.


Arbeitsloser Alki, Sausack, später Buchhändler?! Klingt für mich zumindest nicht ganz so unsympathisch wie das, was über Blödmann Siggi (Nazisohn, Zeitsoldat usw.) bekannt ist.

Aber damit keine Missverständnisse entstehen: Wählen würde ich den verräterischen neoliberalen Merkel-Wahlverein selbstredend trotzdem nicht.

Allenfalls könnte ich mir vorstellen, wenn's nicht so teuer wäre, mir vielleicht den einen oder anderen von den Sozen gelegentlich zu mieten - als Lachnummer auf Partys oder so...



_____________________________________________________________
* In dieser Zeit, im Alter von 19 Jahren und wahrscheinlich im Vollrausch, jedenfalls offenbar im Zustand geistiger Umnachtung, ist er in die SPD eingetreten. (Oder ist er womöglich erst da und deswegen dem Suff verfallen?)

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Donnerstag, 17. November 2016
Direktwahl des Bunzpräsers
Donnerstag, 17. November 2016, 10:36

„Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus“*, heißt es in Artikel 20 Absatz 2 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland; wieso wird dann aber z.B. der Bundespräsident respektive die Bundespräsidentin nicht direkt vom Volk gewählt, wie es in vielen anderen Ländern üblich ist, in denen das Amt des Präsidenten meist auch viel mehr faktische Macht bedeutet als hierzulande, wo es ja vor allem „protokollarische“ Funktion hat?

Gerade in der gegenwärtigen „Legitimationskrise“ der repräsentativen parlamentarischen Demokratie wäre es doch ein schönes Signal, wenn sich der Bundestag durchringen könnte, dem Volk einen Teil der im GG geforderten Souveränität zurückzugeben, anstatt einen vorher nach Parteiproporz ausgeklüngelten Kandidaten durchzuwinken.

Gut möglich, dass bei einer solchen Direktwahl der jetzige Favorit Steinmeier gewinnen würde – ist er doch immerhin seit einiger Zeit laut Umfragen der beliebteste deutsche Politiker; allerdings haben wir ja gerade bei der US-Wahl erlebt, wie unzuverlässig solche Prognosen sein können, und vielleicht würde es am Ende auch auf eine Stichwahl zwischen (ähnlich wie in Österreich, wo sich ein FPÖ-Rechter und ein Grüner gegenüberstehen) dem jetzigen AfD-Kandidaten Albrecht Glaser und z.B. Gregor Gysi hinauslaufen?

Ich wüsste dann jedenfalls, wem ich meine Stimme gebe – und hoffe außerdem immer noch, dass mein Lieblingskandidat Serdar Somuncu antreten würde.

Dazu gibt es auch wieder einmal eine schöne Petition, die ich wärmstens zu unterschreiben empfehle: Petition / Antrag für eine Direktwahl zum neuen Bundespräsidenten

* Vgl. dazu: Alle Macht geht dem Volke aus

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Dienstag, 15. November 2016
Warum wählen eigentlich neuerdings so viele Menschen die Rechtspopulisten?
Dienstag, 15. November 2016, 10:35

Ich glaube, darauf gibt es eine relativ einfache Antwort: sie wünschen sich mehr Teilhabe. Sie wollen nicht alle vier oder fünf Jubeljahre eine Partei wählen, deren Politik sie nicht nachvollziehen können und die ihre wirklichen Probleme (oder das, was sie dafür halten) nicht löst und oft nicht einmal thematisiert.

Denn es ist ja leider viel Wahres an den Parolen der „Wutbürger“: Politiker sind oft tatsächlich Marionetten der Macht, denn sie sind in ihrer „Gestaltungsmacht“ am Ende den ökonomischen Zwängen einer weltweit agierenden Wirtschaft unterworfen. Der globale Neoliberalismus hat nach dem Zusammenbruch des Sozialismus vor einem Vierteljahrhundert endgültig alles zur Ware gemacht, und der Wert der Ware Mensch sinkt angesichts Überbevölkerung, Automatisierung und knapper werdenden Rohstoffen zusehends. Ein Politiker, der nur im nationalen Rahmen agiert und (wieder)gewählt werden will, muss immer auch Rücksicht nehmen auf das „Machbare“, und das heißt: auf die Interessen der Wirtschaft (vertreten durch unzählige Lobbyverbände), die, wenn sie sich politisch zu sehr bedrängt fühlt, ihre Standorte (also die ach so wertvollen „Arbeitsplätze“) ins billigere oder willfährigere „Ausland“ verlegt. Die Wirtschaft agiert global, die Politik hinkt hoffnungslos hinterher; dabei sollte es doch genau andersherum sein.

Auch der Vorwurf, dass die Massenmedien lügen, ist kaum von der Hand zu weisen. Zeitungen und Fernsehsender finanzieren sich durch Reklameanzeigen, und im Zweifelsfall wird ein wirtschaftskritischer Artikel vielleicht nicht gedruckt oder (dank der Schere im Kopf vieler Journalisten) gar nicht erst geschrieben; statt dessen wird für ein besonders „werbefreundliches Umfeld“ gesorgt und mit entsprechenden Sonderbeilagen (Mode, Wellness, Pipapo) versucht, den Konkurrenten noch ein paar Anzeigen abzujagen. Der kapitalistische Wettbewerb ist immer auch ein Unterbietungswettbewerb: nicht besser, sondern billiger. Und auch die öffentlich-rechtlichen Sender, in denen noch am ehesten kritische Töne erklingen, werden natürlich von Gremien kontrolliert und regiert, die paritätisch von Politikern besetzt werden, die sich wiederum mit Wirtschaftslobbyisten arrangieren (zu) müssen (meinen).

Doch auch diese ominösen Mächtigen (die sich meist aus guten Gründen im Hintergrund halten) sind Menschen, keine außerirdischen Reptiloide oder allmächtige Thetane, sie heißen auch nicht allesamt Rothschild oder Rockefeller, sind nicht die Weisen von Zion oder Chefs beim CIA, und sie stecken auch nicht alle unter einer Decke; sie sind allerdings wie wir alle dem gleichen weltweit gültigen System unterworfen, und dessen Name lautet: Kapitalismus. Und an diesem weltweiten Organismus, der sich mittlerweile wirklich bis in die letzen Winkel, die entlegensten Pazifikinseln, die abgelegensten Flussläufe im Amazonasbecken und unzugänglichsten Hochtäler von Neuguinea verbreitet hat, sind wir alle beteiligt, mehr oder weniger; die meisten weniger, einige (nämlich die etwa ein bis fünf Prozent, die mehr besitzen als der weltweite Durchschnitt) sehr viel mehr. Aber selbst der allerreichste Mensch der Welt hätte wohl heutzutage kaum noch die Macht, dieses sich selbst verstärkende System zu stoppen oder auch nur entscheidend zu beeinflussen.

Der Kapitalismus beruht auf Konkurrenz; denn angeblich „belebt diese das Geschäft“. Wir müssen uns daher nicht wundern, wenn unsere Mitmenschen immer egoistischer, rücksichtsloser, unsolidarischer, fremdenfeindlicher und aggressiver werden: das liegt in der Logik des Wettbewerbs, genauso wie die so genannte „Tragik der Allmende“, also die permanente Übernutzung der gemeinsamen Ressourcen und damit die konsequente Zerstörung der langfristigen Lebensgrundlagen der Menschheit; und die Ausbeutung der Vielen durch Wenige ist ohnehin Grundlage des ganzen kapitalistischen Systems.

Wir Bewohner der reichen Länder sind in den letzten Jahrzehnten zum großen Teil recht gut gefahren mit diesem Vehikel, weil wir die Ausbeutung prima „outsourcen“ konnten; aber der kapitalistische Götze des „permanenten Wirtschaftswachstums“ fordert nun auch von uns seine Tribute, und die ökonomischen Risse, die vordem „nur“ Ausländer und kleine Minderheiten vom wohlhabenden Mainstream abgespalten haben, gehen mittlerweile tief und mitten durch die „Gesellschaft“ – die sich infolgedessen immer mehr aufspaltet in eine (meist relativ) gut situierte, gebildete, weltoffene, „gute“ Hälfte, in der bewusst eingekauft und sich ernährt wird, behutsamer Tourismus gepflogen und Gender-Diskussionen geführt werden, und die vielbeschworene „abgehängte“ Hälfte, deren Angehörige nicht wissen, ob und wie sie ihren nächsten Mallorca-Urlaub oder den nächsten Flachbildschirm bezahlen sollen und ob ihre Rente noch sicher ist, die „besorgt“ sind angesichts all des Unbekannten und der Neuankömmlinge, die sie nicht verstehen, und die ihre berechtigten und gefühlten Ängste in letzter Zeit nur allzu oft in Form von aggressiver Fremdenfeindlichkeit, Islamophobie und dem Ruf nach schärferen Gesetzen auf die Straßen und in die Wahllokale tragen.

Es mag paradox klingen, aber ich glaube, das einzige Mittel gegen diese gefährliche Spaltung wäre es, eben allen Menschen mehr politische Teilhabe zu gewähren – selbst, wenn dabei zunächst solche rechtspopulistischen Undinge herauskommen könnten wie Minarettverbote usw. Denn das Grundübel unserer Welt – die eklatante Ungleichheit in politischer wie (natürlich untrennbar damit verbunden) vor allem ökonomischer Hinsicht – ließe sich nur so auf halbwegs friedlichem Wege beheben; und woher sollten die Menschen eigentlich Verantwortungsbewusstsein haben, wie sollten sie es jemals entwickeln, als durch tatsächliche Verantwortung, sprich: Teilhabe an der politischen Macht? Ich bin fest davon überzeugt: nur so können wir alle lernen, in größeren Zusammenhängen zu denken und zu entscheiden.

Und daher (wie schon so oft an gleicher Stelle) hier mein ganz konkreter Vorschlag zur Weiterentwicklung der Demokratie ...

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Donnerstag, 10. November 2016
Genus oder Datum?
Donnerstag, 10. November 2016, 08:25

Ein (relativ un)dramatisches Gesprächsfragment

Dramatis personæ:
   Desso il Descrittore*
   Pietro il Prescrittore*
(beide schwer bekifft)

Ort der Handlung:

   Eine verräucherte Wohnstube

D (blablabla): ... es is ja nich nur wegen dem Geld.

P (belehrend): Wegen dés Geldes!

D (irritiert): Wie? (Pause) Ach so, wegen dem Genitiv?

P (auftrumpfend): Wegen dés Genitivs!

D (leicht genervt): Jaja. Trótzdem: Dativ!

P (überheblich): Trotz dés Dativs!

D (listig): Trotzdéssen?

P (ungeduldig): Nein: trotzdém!

D (unschuldig): Trótzdem? Weswégen?

P (trotzig): Déswegen!

D (listig): Also „destrótz“?

P (überdrüssig): Nicht „destrótz“!

D (übermütig): Nichtsdestotrotz?

P (jetzt selber genervt): Nichtsdestoweniger ...
(usw. usf.)

* Über die Unterschiede zwischen deskriptiver und präskriptiver Sprachwissenschaft siehe z.B. Wolf Peter Klein: Deskriptive statt präskriptiver Sprachwissenschaft!?, in: Zeitschrift für germanistische Linguistik - Deutsche Sprache in Gegenwart und Geschichte, Band 32, Heft 3 (Sep 2004)

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Aus gegebenem Anlass
Donnerstag, 10. November 2016, 08:01
Wer meint, ein Geheimnis hüten zu müssen,
möge es bitte für sich behalten
und nicht weitererzählen.

Und wer es nicht für sich behalten kann,
sondern mit jemandem teilen muss,
möge mir bitte nicht vorwerfen,
wenn es mir ebenso ergeht.

Meine Überzeugung ist nämlich:
Information muss fließen
und Wissen ist für alle da,
nicht nur für die Herrschaft.

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Mittwoch, 9. November 2016
Ein paar ungeordnete Gedanken zur US-Wahl
(Gleichzeitig der verzweifelte Versuch, Positives zu entdecken...)
Mittwoch, 9. November 2016, 11:12


Wahlen ändern nichts, sonst wären sie verboten“? Von wegen!

„The Donald“ – also eigentlich Onkel Dagobert – ausgerechnet dieses Sinnbild der reinen kapitalistischen Lehre (lies auch: Leere) soll nun den Opfern der neoliberalen Globalisierung ein bescheidenes Stückchen vom großen Kuchen zurückgeben?!?

Die Mehrheit hat sich gegen das Establishment entschieden; wäre Sanders gegen Trump angetreten, hätte er vielleicht gewonnen…?!

Gewonnen hat (Wahlanalysen zufolge) der Kandidat des weißhäutigen, wenig gebildeten, männlichen, unterprivilegierten, chauvinistischen Amerika – und die Rechtspopulisten in Europa gratulieren fleißig; aber da Trump seine ganzen Wahlversprechen kaum wird halten können, wird seine Amtszeit womöglich die Entzauberung des Rechtspopulismus bringen.

Oder wird Trump seine Wahlversprechen doch wahrmachen und mit dem Bau einer gigantischen Mauer Millionen neuer Jobs schaffen? #Hitler #Autobahn

Wenn jetzt viele Intellektuelle und Progressive aus den USA emigrieren, könnten davon neben Kanada auch Europa und andere Weltgegenden profitieren.

Da Pöbelei offenbar ein wahlstrategisches Erfolgsmodell ist, schlage ich den begnadeten Pöbler Serdar Somuncu zum nächsten Bundespräsidenten vor – denn der ist wenigstens schonungslos ehrlich (und nicht rechts).

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Dienstag, 1. November 2016
Was die ollen Griechen schon (bzw. noch) wussten
Dienstag, 1. November 2016, 10:36

Wenn ich dem trefflichen, prächtigen und stets mit frischen Ideen trächtigen Herrn Precht und dem Ersten Band seiner Geschichte der Philosophie (München 2015; S. 348f) glauben darf (und ich sehe keinerlei Veranlassung, dies nicht zu tun), dann hat bereits im dritten vorchristlichen Jahrhundert der vor allem als Logiker bekannt gebliebene Stoiker Chrysippos in der Tradition des hier auch kürzlich bereits lobend erwähnten Phaleas Folgendes bemerkt:

Gerade wie einer, der im Theater einen Platz eingenommen hat und alle später Kommenden verdrängt, in der Meinung, das, was für alle da ist, sei nur für ihn da: so die Reichen. Denn nachdem sie das Gemeinsame zuvor besetzt haben, machen sie es durch diese Vor-Wegnahme zu ihrem Besitz. Würde jeder nur so viel nehmen, wie er für sich braucht, um seine notwendigen Bedürfnisse zu befriedigen, und überließe das andere dem, der es ebenso braucht, wo wären dann die Reichen, wo die Armen?

Ein schönes Wort zum Feiertag, wie ich finde.

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Samstag, 22. Oktober 2016
#KillerClownPrank
Samstag, 22. Oktober 2016, 14:07



Most Horrible Clown In Town:



"Pfennigweise" von der ES-Pedé!
("Wer hat uns verraten?")

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... ältere Einträge

Zur Petition Für eine Weiterentwicklung der Demokratie
Das Prinzip Permanentes Plebiszit

Wozu ist der Mensch auf der Welt? Zum Sterben.
Und was heißt das? Rumhängen und warten.

Charles Bukowski



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